MarÃa de Buenos Aires - konzertant in der Oper - kultur 123 - Februar 2016
Tangofieber
„Der Tango ist der Glaube, dass der Kampf ein Fest sein kann“, zitiert das Programmheft den argentinischen Dichter Jorge Luis Borges. Er gehörte zum Freundeskreis des Komponisten Astor Piazzolla, der den traditionellen Tango Argentino weiter entwickelte und mit Einflüssen vom Barock bis zum Jazz neu definierte. Nicht mehr im herkömmlichen Sinn tanzbar (obwohl Piazzolla auch mehrere Ballett-Musiken schrieb, darunter Bandoneon für Pina Bausch), sondern vor allem zum konzentrierten Zuhören. Das kann man nun bei der konzertanten Aufführung seiner einzigen Oper: MarÃa de Buenos Aires.
Die 1968 uraufgeführte „Tango Operita“ ist eine Geschichte des Tangos, allegorisch verkörpert in der Figur der MarÃa. Die in den Niederlanden ausgebildete chilenisch-schwedische Mezzosopranistin Luciana Mancini, Spezialistin für das italienische Repertoire des 17. Jahrhunderts und seit einigen Jahren auch für die Musik Südamerikas, singt die Partie hinreißend: eine elegante Erscheinung im kleinen Schwarzen, furioses Temperament, vielschichtige Opernstimme. Nicht so rau wie der rothaarige italienische Chanson-Star Milva, der Piazzollas Werk in Europa populär machte. An Milvas Seite war der in Puerto Rico geborene Tenor Daniel Bonilla-Torres häufig unterwegs, nachdem er bei der weltweit ersten szenischen Aufführung von MarÃa de Buenos Aires 1999 in Kiel die Figur des Duende gespielt hatte. El Duende ist der Geist der Erzählung von MarÃa, die aus den multikulturellen Armenvierteln in die Stadt kam, bei den Huren und Dieben ihre Seele verlor und als Schatten wiederauferstand. Bonilla-Torres zelebriert den bilderreich surrealen Text des uruguayischen Dichters Horacio Ferrer als Melodram. Er singt nicht, sondern tanzt mit seiner Sprache auf den Melodien und Rhythmen der Musik. Wenn man nicht alle spanischen Sätze versteht und beim Lesen der deutschen Übersetzung (die Übertitelungs-Anlage wurde inzwischen deutlich verbessert) nicht mitkommt, ist das nicht schlimm. Es ist pure Poesie, bevölkert von betrunkenen Engeln und Marionetten, hilflosen Psychologen und sonsÂtigem schillerndem Gelichter.
Mit dem Tenor Johannes Mertes aus dem Bonner Opern-Ensemble glänzend besetzt ist der Cantor, der sich immer wieder von oben ins irdische Chaos einmischt und es streng und gleichzeitig ironisch kommentiert. Für die virtuosen Bandoneon-Passagen konnte mit Lothar Hensel ein hervorragender Spezialist des „Tango Nuevo“ gewonnen werden.
Die Hauptrolle spielt jedoch das auf der Bühne platzierte Beethoven Orchester Bonn unter der Leitung von Christopher Sprenger. Hervorragend sind die Solisten Mariska van der Sande (Flöte), Christian Kiefer (Gitarre), Thomas Wise (Klavier), Mikhail Ovrutsky (Violine), Grigory Alumyan (Violoncello), Róbert Grondžel (Kontrabass) und die Schlagzeuger Camillo und Kevin Anderwaldt. Alle zusammen zündeten ein musikalisches Feuerwerk, passend zur Premiere am Neujahrstag. Das begeisterte Publikum erklatschte sich als Zugabe die Wiederholung der mitreißenden Tango-Arie „Yo soy MarÃa“. E.E.-K.
Spieldauer ca. 1¾ Stunden,
inkl. Pause
die Letzten Termine:
30.01. // 5.03. // 28.03. // 8.04.16
Tipp: Wer das Werk auch inszeniert erleben möchte (Regie: Andreas Kriegenburg), kann das bei der in dieser „kultur“ angebotenen TG-Reise nach Bremen und Worpswede tun.
Dienstag, 16. Februar 2016 | kultur - Kritisches