Wolfgang Krebs - kultur 143, Februar 2018

Ein moderner Hofnarr mit 20 Gesichtern - Parodist Wolfgang Krebs lädt zur Watschenbaum-Verleihung ein

von Thomas Kölsch


Jedem Politiker sein Watschenbaum. Verdient hätte den unrühmlichen Anti-Preis jeder, glaubt Kabarettist Wolfgang Krebs – und überlässt es daher in seinem aktuellen Programm dem Publikum, wer für die meisten unsinnigen Aussagen ausgezeichnet wird. „Es gibt jeden Abend eine neue Möglichkeit“, sagt er und lacht. Auch wenn das Ergebnis in gewisser Weise schon vorher feststeht. Denn ob jetzt Markus Söder, Horst Seehofer, Angela Merkel, Edmund Stoiber oder jemand anderes die ominöse Trophäe bekommen soll, letztlich landet sie doch immer in den selben Händen. Nämlich in denen von Krebs, der all diese Gestalten auf der Bühne verkörpert und sie bei ihren Laudatios auf sich selbst gnadenlos von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpern lässt.

Wie viele Rollen der 51-Jährige wirklich beherrscht, weiß er gar nicht mehr. „In den Ankündigungen für die 'Watschenbaumgala' sprechen wir ja von etwa 20, doch ob die Zahl stimmt, kann ich gar nicht so genau sagen. Auf jeden Fall sind einige der wichtigsten Gestalten aus der bayerischen Politik mit dabei, außerdem auch die ein oder andere Kunstfigur.“ Andere dagegen fehlen, darunter Andreas Scheuer und Alexander Dobrindt. „Ich muss mir diese Rollen erst einmal erarbeiten“, gesteht Krebs. „Die beiden finde ich natürlich durchaus reizvoll, zumal ich sie auch persönlich kenne – und privat sind sie weitaus sympathischer als in der Politik. Aber bislang habe ich noch nicht den richtigen Zugang gefunden.“ Den richtigen Duktus, die passende Mimik – und natürlich auch die inhaltliche Überzeichnung, die nie unter die Gürtellinie zielen darf. „Ich versuche immer, mit meiner eher linken Grundhaltung eine Form zu finden, in der mir auch konservative Politiker zuhören.“

In seiner bayerischen Heimat funktioniert das hervorragend, da ist Krebs einer von den ganz Großen. Einer, der mit seinen Parodien Bierzelte füllt, während nebenan die Originale palavern. „Das Verhältnis von Kabarett und Politik ist bei uns schon etwas Besonderes“, erklärt Krebs. „In gewisser Weise ist etwa das Derblecken am Nockherberg eine Art Hofschauspiel für die Partei-Granden, und die Künstler werden zu Narren – und zwar zu jenen, die alles sagen dürfen und den Herrschenden den Spiegel vorhalten können, ohne dafür angegangen zu werden. Ich bemühe mich, dies auszuschöpfen, wenn nötig zurückzubeißen und akribisch fragwürdiges Gedankengut zu entlarven.“ Und diese Kritik kommt an? „Ja. Markus Söder zum Beispiel, der kann damit gut umgehen, zumindest so lange sie sich auf seine Worte und Taten bezieht.“ Und Edmund Stoiber, den Krebs immerhin schon seit 1993 imitiert? „Als er noch im Amt war, ist er glaube ich nicht so gut damit zurecht gekommen, aber 2011 hat er immerhin bei der Verleihung des Hermine-Körner-Preises eine Laudatio auf mich gehalten. Das habe ich ihm hoch angerechnet.“

Der Weg zum Parodisten war für Krebs alles andere als gerade. „Ich habe mich schon immer damit leicht getan, Menschen nachzuahmen“, sagt er. „Aber zunächst habe ich nach dem Hauptschulabschluss eine Ausbildung zum Postbeamten gemacht. Als ich danach aber mitten in der Weihnachtszeit Pakete sortierte, hat mir ein rumänischer Bau-Ingenieur, der als Hilfsarbeiter den selben Job gemacht hat, dringend geraten, nochmal zur Schule zu gehen. Das habe ich gemacht.“ Und dabei zum ­ers­ten Mal etwas von Mathias Richling gehört, dank eines Literaturlehrers. „Der wurde zu einem meiner großen Vorbilder“, gesteht Krebs, der im Anschluss an sein Abitur zunächst zum Radio ging und später leitender Angestellter in der TV-Werbezeiten-Vermarktung von ProSieben, Sat 1 und RTL 2 wurde. „Das war eine tolle Zeit. Damals war es noch kein Problem, im Marketing zu arbeiten und parallel auf den Bildschirmen zu erscheinen.“ So wie 2004, als Krebs beim schwäbischen Fasching Edmund Stoiber vertrat – erstmals im Kostüm. „Ich glaube, die Perücke hat einst sogar Richling getragen“, erinnert er sich. „Auf jeden Fall hat der Auftritt eingeschlagen wie eine Bombe. Im ersten Moment haben die mich wirklich für den Stoiber gehalten. Das passiert mir auch heute noch. Ich werde oft gar nicht als ich wahrgenommen.“

Wolfgang Krebs ist am 16.02. im Pantheon mit seiner „Watschenbaum-Gala“ zu Gast.
Karten für Mitglieder gibt es auch bei der Theatergemeinde.

Donnerstag, 02.08.2018

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