Andreas Kieling - kultur 142 - Januar 2018

Andreas Kieling
Foto: © Quatsch keine Oper
Andreas Kieling
Foto: © Quatsch keine Oper

Kongobilder im Eifelschnee - Tierfilmer Andreas Kieling kommt in die Bonner Oper

von Thomas Kölsch


Der Kongo wirkt nach. Natürlich. Noch nicht einmal 24 Stunden vor diesem Interview war Tierfilmer und Fotograf Andreas Kieling noch mitten in Afrika, am sechstgrößten See der Erde, auf Tuchfühlung mit Schimpansen; jetzt, so erzählt er, schaut er aus dem Fenster und sieht im Schnee, der auf die Eifel fällt, noch immer ihre Umrisse. „Sie sind unglaublich faszinierend, weil sie den Menschen so nah und doch so fremd sind“, sagt er. „Schimpansen vor die Linse zu bekommen, ist eine unglaubliche Herausforderung, weil sie ständig mobil sind. Nur beim so genannten Grooming, der Fellpflege, kommen sie zur Ruhe.“ So wie Kieling in den eigenen vier Wänden. Erst einmal durchatmen. Die Ruhe genießen. Und Eindrücke verarbeiten. Seelisches Grooming.

Andererseits liebt Kieling es, von seinen Erlebnissen zu erzählen, ob in seinen Filmen oder in beeindruckenden Dia-Vorträgen. „Tiere sind meine Leidenschaft“, sagt er – „und das sage ich nicht nur einfach so daher. Um sie dreht sich mein ganzes Leben. Schon als Kind wollte ich ihnen ein Freund sein. Ich habe das Glück, dass mir dies gelungen ist.“ Nicht umsonst kommt Kieling den Tieren näher als viele andere seiner Kollegen, zwar immer noch auf Distanz, aber immerhin geduldet. „Manchmal werde ich sogar toleriert und mit ganz viel Glück sogar akzeptiert“, betont er. „Es ist sogar schon vorgekommen, dass Tiere gezielt meine Nähe gesucht haben, weil sie sich dadurch Schutz vor Räubern versprochen haben. Das sind Momente, die mich ganz besonders berühren.“ Selbstverständlich ist dies allerdings nicht. Es braucht viel Zeit und noch mehr Geduld, bis Kieling diese Nähe aufgebaut hat. „Die meisten Menschen sehen ja hinterher nur den Film und denken, ich würde sofort auf die Tiere zugehen können. Dahinter stecken aber jede Menge Arbeit und zahlreiche Beobachtungen. Gerade bei Primaten und Bären reagiert jedes Tier anders. Ich muss genau wissen, wem ich mich nähern darf und bei wem ich besser Abstand halte. Dafür versuche ich, mich in die Seele des Tieres hineinzuversetzen und es zu verstehen.“

Dieses ausgeprägte Einfühlungsvermögen gepaart mit einem großen Abenteuerdurst bilden den Kern von Kielings Erfolg. Er tauchte schon mit Krokodilen, folgte den Spuren der letzten Wölfe Afrikas, blickte Gorillas über die Schulter, fuhr mit dem Mountainbike durch den Himalaya oder erkundete den Yukon von der Quelle bis zur Mündung. „Es ist mir ein Bedürfnis, immer wieder meine persönlichen Grenzen auszuloten“, gesteht der 58-Jährige. „Das ist meine Art, mich zu erden. Ich werde oft gefragt, warum ich es mir mitunter so schwer mache und zum Beispiel mit einem Kajak fahre, wenn ich auch ein Motorboot nehmen könnte. Das wäre schneller – aber ich könnte doch die Natur gar nicht so erfahren, weil ich mich nicht in dem Maße auf sie einlassen muss, wie das bei einem Kajak nun einmal der Fall ist.“
Und die Gefahr? Kieling winkt ab. „Wenn ich freitagabends mit dem Motorrad über das Frankfurter Nordkreuz fahre, wenn alle Menschen möglichst schnell nach Hause wollen, dann ist das gefährlich. Vor Tieren habe ich dagegen keine Angst. Dafür aber Respekt.“ Ihnen begegnet Kieling am liebsten auf Augenhöhe: „Das war schon bei meinem Meerschweinchen Hansi so“, erinnert er sich. „Ich war fünf Jahre alt, habe es auf einen Tisch gesetzt und dann meine ersten Tierfotos geschossen. Das war schon toll. Später kam dann die erste Super-8-Kamera, mit der ich anfing zu drehen. Und als ich dann als Seemann auf den Weltmeeren unterwegs war, habe ich jede Gelegenheit genutzt und bin von den Häfen, an denen wir angelegt haben, zu Expeditionen aufgebrochen.“ Nur zwei Regionen stehen noch aus, sagt er. „Ich war noch nie auf den Galapagos-Inseln, und ich war noch nie auf Mallorca“, gesteht er. Andererseits: was würde er dort wollen? Eigentlich ist doch schon längst alles gefilmt und fotografiert. „Die Frage ist doch vielmehr, wie ich mit den Bildern eine Geschichte erzähle“, sagt Kieling. „Es gibt vieles, das man zeigen kann, zum Beispiel den ständig schrumpfenden Lebensraum der Tiere.“ Und zugleich die Würde, die diese Geschöpfe besitzen. „Das ist auch der Grund, warum mir meine Vorträge so am Herzen legen“, erklärt Kieling. „Die Menschen besitzen oft ein falsch verstandenes Empfinden in Bezug auf Tiere, etwa indem sie ihre eigene Sichtweise auf Schimpansen, Hunde oder Wildschweine projizieren. An der Stelle möchte ich ansetzen.“ Zum Wohle der Tiere.


Andreas Kieling ist am 30.01.2018 um 20 Uhr mit „Wälder, Wildnis, Wilde Tiere“ in der Bonner Oper:
Karten für Mitglieder gibt es auch bei der Theatergemeinde.

Dienstag, 13.02.2018

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