Kalotay, Daphne: Die Tänzerin im Schnee

kultur 75 – April 2011

Dieser Titel lässt nichts vermuten. Oder würden Sie auf Drama, auf Liebe, Freundschaft, Verrat und Tod tipppen? Klar, das sind die Kriterien, die zu einem guten Roman gehören, nicht wahr?
Die Hauptperson ist, das kann man erraten, eine Primaballerina des Moskauer Bolschoi-Balletts. Sie war es, jetzt ist sie alt und verbittert, sehr krank und sehr einsam. Sie lebt in Boston, im Rollstuhl, und will ihren Schmuck versteigern lassen.
Anhand eines wertvollen Bernstein-Sets wird im Rückblick ihre Geschichte erzählt, verknüpft mit der eines russischen Literatur-Professors, dessen ihm unbekannte Beziehung zu der alten Tänzerin mit diesem Bernsteinschmuck zusammenhängen muss, da ein Teil davon sich in seinem Besitz befindet. Er wurde adoptiert und sucht seit langem seine leiblichen?Eltern. Zwischen ihm und der jungen Angestellten des Auktionshauses entsteht eine zarte und vorsichtige Liebesbeziehung, aber in den Rückblicken wird die ganze schreckliche Geschichte der Stalin-Ära lebendig. Zahlreiche Schicksale verbinden und lösen sich, Leidenschaft und Angst, Hass und Liebe bestimmen die Protagonisten. Und manches hat Nina, die einzige Überlebende, vielleicht nicht richtig gesehen?
Mir hat das Ende gut gefallen – es bleibt nämlich offen und Ihrer, der Leser, Einsicht überlassen, so wie auch Nina nach 50 Jahren nicht mehr die Wahrheit erfahren kann. Aber etwas bricht auf in ihrem vereisten Herzen, das Bernstein-Set wird aus der Auktion gestrichen und vielleicht werden die beiden Menschen von heute zusammen glücklich.

Die Tänzerin im Schnee
von Daphne Kalotay
Ruetten & Loening,
September 2010 ,
454 S., gebunden,
19,95 E.

Donnerstag, 11.10.2012

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