Sophie Basse - kultur 102 - Januar 2014

Elisabeth Einecke-Klövekorn trifft Sophie Basse: Rosa Luxemburg und Frigga

Die hochgewachsene, dunkelhaarige Schauspielerin kommt gerade von einer Probe zu Hebbels Nibelungen, die am 18. Januar in den Kammerspielen Premiere haben. Sie wird in diesem großen „deutschen Trauerspiel“ jedoch nur eine kleine Rolle spielen, Brunhilds Amme Frigga. Vorgestellt hat Sophie Basse sich dem Bonner Publikum als großartige Rosa Luxemburg bei der Saisoneröffnung mit der Uraufführung von Karl und Rosa nach dem Roman von Alfred Döblin. Sehr klar in ihrer Unbedingtheit, ungemein präsent und dennoch „mitten im Leben mit dem Tod umfangen“. „Döblins Werk ist eigentlich ein Roman übers Sterben“, sagt sie. „Es war uns von vornherein klar, dass wir weg wollten von der historischen Person und eine ganz eigene Figur entwickeln. Im letzten Sommer habe ich mich sehr intensiv mit Döblins Text und den geschichtlichen Hintergründen beschäftigt. Solch eine substanzielle Basis ist auch notwendig, denn Döblin setzt sehr viel voraus. Auf den Proben haben wir dann konzentriert mit dem Material gearbeitet, eine Menge gestrichen und gemeinsam einen Theaterabend entwickelt.“
Sophie Basse schätzt Teamarbeit und definiert ihren Beruf gern als ständige Bewegung. Das Wort „entwickeln“ benutzt sie im Gespräch häufig. Ihr Engagement in Wuppertal hat sie nach vier erfolgreichen Jahren gekündigt, weil der Neustart des Bonner Schauspiels sie interessierte. Natürlich auch, weil sie die Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp, die Hausregisseurin Alice Buddeberg und mehrere Ensemblemitglieder aus früheren Zusammenarbeiten kennt und sich immer auf neue künstlerische Impulse freut.
Zugegeben: Die Spar- und Schließungsdebatten in Wuppertal haben ihr die Entscheidung ein wenig erleichtert. Aus dieser Stadt verabschiedet hat sie sich mit dem Stück Die Unkündbaren, das sie zusammen mit ihrem Kollegen Lutz Wessel selbst kreiert hat. Zwei Schauspieler warten in der Kantine auf den Einruf zu ihrer letzten gemeinsamen Vorstellung. Dabei lassen sie ihr Bühnenleben mit allen Höhen und Tiefen Revue passieren. Nur eins bleibt in dieser teilweise sehr komischen Mischung aus Realität und Fiktion unerschütterlich: Ihr Glaube an das Theater.
Geboren wurde Sophie Basse 1972 in Oldenburg. „Wahrscheinlich lag es an meiner Begeisterung für den jungen Schauspieler Matthias Brandt, der dort am Staatstheater sein erstes Engagement hatte, dass ich mich zusammen mit einer Freundin für ein Schauspiel-Abo entschied“, erzählt sie lachend. Sie machte ein Schülerpraktikum in der Requisite des Oldenburger Theaters, wollte nach dem Abitur aber erst mal weit weg. Ihr Interesse am Theaterspielen erwachte während ihres Literaturstudiums in Bordeaux, wo sie in einer Uni-Truppe mitwirkte. Während der Fortsetzung ihres Studiums in München bewarb sie sich eher aus Neugier am Max Reinhardt Seminar in Wien, wo man ihr zu verstehen gab, dass sie es lieber lassen sollte.
Damit war ihr Kämpfergeist geweckt und vollkommen klar, dass sie zur Bühne musste. Das Vorsprechen an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart 1994 war erfolgreich. Dort schloss sie 1998 ihre Ausbildung ab. Schon im letzten Studienjahr gastierte sie am Wiener Burgtheater unter der Intendanz von Claus Peymann. „Es war tatsächlich nur eine Art Edelstatisten-Rolle in Konstanze Lauterbachs Inszenierung von Mutter Courage. So aufregend es ist, an einem berühmten großen Haus zu arbeiten – mir war danach jedoch klar, dass ich an einem kleineren Theater mehr Entfaltungsmöglichkeiten bekäme.“
Ihr erstes festes Engagement erhielt sie unter dem damaligen Schauspielleiter Michael Klette in Aachen. Sie spielte hier viele große Rollen wie z.B. Luise in Kabale und Liebe und Shakespeares Lady Macbeth. Nach vier Jahren Stadttheater wollte sie indes weiter und ging 2002 ans Theaterhaus Jena unter der Leitung von Claudia Bauer, mit der sie seitdem mehrfach zusammenarbeitete. „Die zwei Jahre dort waren eine tolle, sehr inspirierende Zeit. Wir machten Klassiker, Uraufführungen und viele spannende Projekte. Wir waren ein kleines Ensemble von nur acht Leuten, die aber bis heute immer noch verbunden sind.“ Hier lernte sie auch den Regisseur Christian von Treskow kennen.
In seiner Regie spielte sie 2003 eine der Margots bei der Uraufführung von Margot und Hannelore. Die Jenaer Produktion wurde mit dem Preis des NRW-Festivals „Impulse“ ausgezeichnet. Projektleiterin dieses renommierten Treffens der freien Szene war übrigens die junge Dramaturgin Nicola Bramkamp. In Treskows Uraufführungs-Inszenierung des politisch brisanten Stücks Johnnys Jihad von Marc Pommerening war Basse 2004 beim ersten von Nike Wagner geleiteten Kunstfest Weimar zu Gast.
Sophie Basse verlegte ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin und arbeitete bis 2009 als freie Schauspielerin. Sie machte freie Projekte mit der Autorin Felicia Zeller, gastierte u.a. in der Box des Deutschen Theaters Berlin in Mamma Medea von Tom Lamoye, spielte unter der Regie von Thomas O. Niehaus in Peer Gynt am Tiroler Landestheater Innsbruck und am Theater Bremen in der Regie von Wulf Twiehaus die linientreue Kommunistin Olga in Sartres Die schmutzigen Hände. Ihren Parteigenossen Louis verkörperte Glenn Goltz, nun ihr Kollege im Bonner Schauspiel-Ensemble. 2008 war Basse auf Kampnagel die Arkadina in Alice Buddebergs Hamburger Diplominszenierung von Tschechows Die Möwe.
2007 gründete Sophie Basse zusammen mit ein paar befreundeten Künstlern in Rüsselsheim das unabhängige Theaterhaus „sechzig90“, wo regelmäßig neue szenische Kreationen entstehen. Meistens in den Sommerferien, wenn der Normalbetrieb ruht. 2009 engagierte Christian von Treskow Sophie Basse nach Wuppertal. „Nach der dauernden Pendelei wollte ich gern auch wieder an einem festen Ort und kontinuierlich mit einem Ensemble arbeiten.“ Sie spielte dort zahlreiche Hauptrollen, einige wieder in der Regie von Claudia Bauer. Basse überzeugte als Lady Macbeth, glänzte als Blanche in Endstation Sehnsucht und beeindruckte in der Titelrolle des Stückes Käthe Hermann (Regie: Jakob Fedler) der Nachwuchsautorin Anne Lepper.
2011 wirkte sie in dem Spielfilm Mein Leben im Off mit. „Das hat großen Spaß gemacht, aber im Zentrum steht für mich eindeutig das Theater.“ An ihrer neuen Wirkungsstätte schätzt sie besonders das „auffallend nette Miteinander“ nicht nur im künstlerischen Ensemble, sondern auch mit allen anderen Mitarbeitern.
Eine kleine Wohnung in Bonn hat Sophie Basse schon gefunden, ihren Hauptwohnsitz aber noch in Wuppertal. Nach der Premiere von Karl und Rosa brauchte sie erst mal etwas Zeit zum Luftholen und freut sich nun auf neue Herausforderungen. Der Schauspieler Daniel Breitfelder (u.a. Johannes Maus in Karl und Rosa und Käpt’n Hook in Peter Pan), den sie demnächst zusammen mit Glenn Goltz in der neuen Werkstattreihe „Unmas­kiert“ vorstellt, gehört übrigens auch zum Team von „sechzig90“.

Dienstag, 25.02.2014

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