Wagner, Richard (1813 -1883)

kultur 35 – März 2007

Richard Wagner wird als neuntes Kind des Polizeiaktuars Carl Friedrich Wilhelm Wagner und der Bäckertochter Johanna Rosine geb. Pätz in Leipzig geboren. Noch in seinem Geburtsjahr stirbt der Vater und im darauf folgenden Jahr heiratet Wagners Mutter erneut; den Schauspieler und Dichter Ludwig Geyer. Dieser beeinflußte sowohl Wagner als auch seine Schwestern, von denen drei die Bühnenlaufbahn als Sängerin oder Schauspielerin einschlugen. Bereits mit acht Jahren verliert Wagner jedoch auch seinen Stiefvater.
Literarisch und musikalisch vielseitig interessiert, schreibt Wagner mit dreizehn Jahren sein erstes Drama und beginnt bald zu komponieren. Ein Schlüsselerlebnis hierfür ist der Besuch einer Aufführung der Oper "Fidelio" von L. v. Beethoven mit der berühmten Sängerin Wilhelmine Schroeder-Devrient. Obwohl Wagner keinen Schulabschluss hat, wird er 1831 an der Leipziger Universität als Musikstudent angenommen. Bei dem Thomaskantor Chr.T. Weinling erhält er zusätzlich Kompositionsunterricht.
Als Kapellmeister der Bethmann'schen Theatertruppe lernt Wagner seine erste Frau, die Schauspielerin Minna Planer, kennen, die er 1836 in Königsberg heiratet. Mit ihr flüchtet er aufgrund von Schulden im Jahre 1839 nach Paris, wo er von der großen Unterstützung des Opernkomponisten G. Meyerbeer profitiert. Hier vollendet Wagner die bereits begonnene Oper "Rienzi" und komponiert "Der fliegende Holländer". Wagner lernt in Paris nicht nur Heinrich Heine und Franz Liszt kennen, sondern beschäftigt sich auch mit Ludwig Feuerbachs Philosophie und den Theorien des französischen Frühsozialisten P. J. Proudhons.
Zurück in Deutschland, wird Wagner 1843 zum Dresdner Hofkapellmeister ernannt. Als Revolutionär 1849 am Dresdner Maiaufstand beteiligt, wird der Komponist, ebenso wie sein Freund Gottfried Semper, steckbrieflich gesucht und flüchtet ins Exil nach Zürich. Die Freundschaft mit Otto und Mathilde Wesendonck, die sich bis ins Jahr 1852 zurückverfolgen lässt, führt 1857 zum Bezug eines Sommerhauses direkt neben deren Villa in Zürich. Die Affäre zwischen Wagner und Mathilde Wesendonck führt zur vorübergehenden Trennung von seiner Frau, die im Jahre 1861 endgültig ist. Seine zweite Frau Cosima, die Tochter von Franz Liszt, ist derzeit noch mit dem Dirigenten Hans von Bülow verheiratet. Im Jahr 1863 bekennen sich Wagner und Cosima ihre Liebe. Bevor sie im Juli 1870 nach der Scheidung Cosimas heiraten (Minna Wagner stirbt bereits 1866), bringt Cosima drei Kinder von Wagner zur Welt: Isolde (1865), Eva (1867) und Siegfried (1869).
Im Jahre 1864 lernt Wagner seinen größten Verehrer kennen: König Ludwig II., der den Komponisten von diesem Zeitpunkt an finanziell in unglaublicher Weise unterstützt und die Aufführungen seiner Bühnenwerke ermöglicht. Auch der spätere Bau des Bayreuther Festspielhauses und die dortigen Inszenierungen sind ohne die Zuwendungen des Königs nicht denkbar.
Seit 1866 lebt Wagner in der Villa Tribschen bei Luzern, wohin ihm Cosima 1868 dauerhaft nachfolgt. In diesem Jahr lernt Wagner auch Friedrich Nietzsche kennen, der damals Professor in Basel ist und den Komponisten regelmäßig in Tribschen besucht. Nachdem Wagner Bayreuth als Festspielort für seine Werke erwählt hat, siedelt die Familie 1872 dorthin über. Das eigens für Wagner errichtete Haus „Wahnfried“ kann zwei Jahre später bezogen werden. In Anwesenheit Kaiser Wilhelms I. findet vom 13.-17. August 1876 die Uraufführung des vierteiligen musikalischen Dramas "Der Ring des Nibelungen" im Bayreuther Festspielhaus statt. Im Jahre 1882 folgt die dortige Uraufführung des "Parsifal". Im darauf folgenden Jahr stirbt Wagner während eines Venedigaufenthalts an einem Herzleiden. Sein Leichnam wird wenige Tage später nach Bayreuth überführt, wo er im Garten der Villa „Wahnfried“ beigesetzt wird.
Zweifellos gehört Wagner zu den Komponisten, welche die Musikwelt polarisiert haben. Ein oftmals uneingeschränkter Enthusiasmus steht in der Rezeptionsgeschichte einer ablehnenden Haltung sowohl in Bezug auf Wagners Werk als auch auf seine Person gegenüber und daran hat sich bis heute nichts geändert. „Gegen Wagner bekommt man leicht zu sehr Recht“ äußerte sich bereits F. Nietzsche über diesen Sachverhalt. Wagners Leben auf Kosten anderer, seine Polemik gegenüber Juden und die bevorzugte Vertonung von Mythen und Sagen können dafür als Gründe genannt werden. Nichtsdestotrotz hat Wagner einen bedeutenden Beitrag zur Musikgeschichte geleistet und einen entscheidenden Einfluss auf nachfolgende Komponisten ausgeübt. Wagners Werke erschaffen ein dichtes Gewebe von Beziehungen, was musikalisch mit der Technik des Leitmotivs (s.u.) umgesetzt wird. Besonders ausgeprägt ist seine Kunst des Übergangs in "Tristan und Isolde". Wagners Idee des Gesamtkunstwerks, das Musik, Sprache und Szenerie als Einheit betrachtet, wird in seinen musikalischen Dramen wie "Der Ring des Nibelungen" beispiellos umgesetzt. Bis heute ist das Konzept eines Festspielhauses, in dem die von Wagner selbst erwählten Werke alljährlich aufgeführt werden, aufgegangen. E.H.

Zum Nachlesen:
Martin Geck, Richard Wagner, Rowohlt.
Martin Gregor-Dellin, Richard Wagner. Sein Leben, sein Werk, sein Jahrhundert, Piper.

Zum Nachhören:
Richard Wagner, Tristan und Isolde, Birgit Nilsson, Chor der Bayreuther Festspiele, Christa Ludwig, Claude Heater, Eberhard Waechter, Deutsche Grammophon.
-, Parsifal, Solti, DECCA.
-, Rienzi, Kollo, Wennberg, Hollreiser, Staatskapelle Dresden, EMI.

Dienstag, 25.02.2014

Zurück

Merkliste

Veranstaltung

Momentan befinden sich keine Einträge in Ihrer Merkliste.



Letzte Aktualisierung: 30.09.2022 18:01 Uhr     © 2022 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn