Schönberg, Arnold (1874 - 1951)

kultur Nr. 23 - Januar 2006

Der in Wien geborene Komponist, Musiktheoretiker und Maler Arnold Schönberg war ein Wegbereiter der Moderne. Er gilt als Begründer der so genannten Zwölftontechnik, welche die Grundlage für alle weiteren Entwicklungen der modernen Musik bildete. Diese Errungenschaft spaltete die Komponisten, Musikkritiker und Musikliebhaber damals wie heute in zwei Lager. Die Anhänger Schönbergs sehen in ihm einen Erneuerer der Musik des 20. Jahrhunderts, während seine Gegner ihm kritisch bis ablehnend gegenüberstehen.
Schönberg war eine äußerst kreative und seine Zeitgenossen beeindruckende Persönlichkeit. Neben seiner Tätigkeit als Komponist, Lehrer für Musiktheorie und Dirigent, war er auch Maler und ein passionierter Bastler und Tüftler: Er schreinerte sich seine eigenen Möbel, entwickelte ein "Rastral" (eine Vorrichtung zum Ziehen von Notenlinien) und entwickelte eine neue Form des Schachspiels.
Zeit seines Lebens förderte Schönberg junge musikalische Talente und erteilte immer wieder auch kostenlosen Unterricht, wenn ein Schüler mittellos war. Zu seinen berühmt gewordenen Schülern zählten u.a. Anton Webern und Alban Berg. Schönbergs Lehrtätigkeit wird als "Zweite Wiener Schule" bezeichnet. Für die Musik seiner Zeit setzte er sich mit großem persönlichen Engagement ein, beispielsweise gründete er 1918 den ”Verein für musikalische Privataufführungen” und bot damit bis 1921 zeitgenössischen Komponisten ein Forum.
Der Jude Schönberg emigrierte nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1934 über Paris in die USA, deren Staatsbürgerschaft er 1941 erhielt. Hier verkehrte er mit anderen berühmten Emigranten, unter ihnen Thomas Mann, der Schönberg in seinem 1947 erschienen Roman ”Doktor Faustus” ein Denkmal setzte.
Schönbergs Œuvre steht zunächst in der Tradition spätromantischer Komponisten wie Johannes Brahms, Richard Wagner und Gustav Mahler. Darauf folgt eine Phase der so genannten ”freien Atonalität”; zu dieser Zeit spaltet sich das Publikum bereits in eine enthusiastische und eine extrem ablehnende Partei. Bei den Uraufführungen seiner ersten Streichquartette in den Jahren 1905 und 1908 kommt es zu Skandalen. Eines seiner einflussreichsten Werke ist die Komposition ”Pierrot Lunaire” op. 21 aus dem Jahre 1912. Um 1920 entwickelt Schönberg die ”Methode der Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen”, sein erstes Werk in dieser Technik sind die ”Fünf Klavierstücke” op. 25 (1923). Eine kämpferische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus sind die beiden Werke ”Ode to Napoleon” für Sprecher, Streichquartett und Klavier op. 41 (1942) und ”A Survivor from Warsaw” für Sprecher, Männerchor und Orchester op. 46 (1947).
Im Gegensatz zu seinen Kritikern verstand Schönberg sein Œuvre immer als Weiterführung der abendländischen, insbesondere der österreichischen Musiktradition. Zu seiner neuen Technik äußerte er: „Man benutze die Reihe und komponiere ansonsten wie zuvor“. Seine eigenen Regeln befolgte Schönberg selbst nicht so streng wie seine Schüler; die ästhetische Qualität und der Ausdrucksgehalt eines Musikstücks standen für ihn immer im Vordergrund. E.H.

Zum Nachlesen:
Matthias Henke, Arnold Schönberg, dtv.
A. L. Ringer, Arnold Schönberg: Das Leben im Werk, Bärenreiter.

Zum Nachhören:
Schönberg, Die glückliche Hand, Variations op. 31, Verklärte Nacht, Pierre Boulez, Siegmund Nimsgern, BBC Singers, BBC Symphony Orchestra, New York Philharmonic, Sony.
-, Gurrelieder, Seiji Ozawa, Jessy Norman, Tatiana Troyanos, James McCracken, Werner Klemperer, Kim Scown, David Arnold, Boston Symphony Orchestra, Tanglewood Festival Chorus, Philips.

Dienstag, 25.02.2014

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