Respighi, Ottorino (1879 - 1936)

aus kultur Nr. 67 - 6/2010

Der in Bologna geborene italienische Komponist wurde als Sohn eines Klavierlehrers schon früh an die Instrumente Violine und Klavier herangeführt. Von 1891 bis ‘99 studierte er Geige und Bratsche bei Federico Sarti am Liceo musicale seiner Heimatstadt. Das Klavierspiel beherrschte er so gut, dass er später als Interpret seiner eigenen Werke auftrat. Kompositionsunterricht erhielt Respighi seit 1896 von Luigi Torchi, der die vorklassische italienische Musik erforschte und herausgab, und später von Giuseppe Martucci, der ein führender Vertreter einer erneuerten Kammer- und Orchestermusik war. Beide Kompositionslehrer beinflussten ihn maßgeblich; Respighi setzte sich intensiv mit der älteren Musikgeschichte auseinander und er war einer der Komponis­ten, die die sinfonische Tradition wiederbelebten.
Seit der Jahrhundertwende war Respighi Mitglied des Symphonieorchesters von Bologna; in dieser Funktion reiste er für die „Stagione d’opera italiana“ nach Sankt Petersburg. Hier nahm er durch die Vermittlung von Freunden Unterricht bei Nikolai Rimskij-Korsakov. Respighi wirkte als Bratschist und Violinist auch in verschiedenen Kammermusikensembles, unter ihnen das Mugellini-Quintett.
Mit dem Werk Preludio, Corale e Fuga erhielt er 1901 das Diplom in Komposition. 1905 führte er seine erste Oper Re Enzo auf und seit 1906 verfasste er seine zahlreichen Bearbeitungen von älteren Musikwerken. Respighi gab Stücke von Monteverdi, Tartini, Vivaldi, Veracini und Marcello in neuen Fassungen heraus und instrumentierte auch Orgelwerke von Johann Sebastian Bach. Der Eigenanteil des Komponisten ist bei diesen Bearbeitungen recht unterschiedlich; er reicht von einer bloßen Instrumentierung bis zu einer völligen Neugestaltung. Zwei Werke aus diesem Genre sind besonders hervorzuheben: Die Antiche danze ed arie per liuto gründen auf Lautenstücken des 16. und 17. Jahrhunderts. Respighi komponierte daraus drei Suiten für Orches­ter (1916, 1923, 1931). In der Suite für kleines Orchester Gli Uccelli (Die Vögel) bezieht Respighi unter anderem französische Vorlagen aus dem 17. Jahrhundert mit ein und imitiert verschiedene Vogellaute. Zwei Bearbeitungen von Werken Monteverdis gelangten 1908 in Berlin (Lamento d’Arianna unter der Leitung von Arthur Nikisch) und 1935 in Mailand (Orfeo) zur Aufführung.
1913 wurde Respighi Professor für Komposition am Conservatorio di Musica S. Cecilia in Rom; von 1924-26 war er der Direktor dieser mittlerweile staatlichen Einrichtung. Um Respighi zu dieser Zeit seine Reiseverpflichtungen zu ermöglichen, wurde ein corso superiore di composizione eingerichtet, der eine Vielzahl von namhaften Schülern anzog, unter ihnen Giovanni Salviucci und Hans Meyerowitz.
1919 heiratete Respighi seine ehemalige Schülerin Elsa Olivieri Sangiacomo, die auch selbst komponierte und als Konzertsängerin tätig war. Das Ehepaar begab sich gemeinsam auf Konzertreisen, u.a. nach Amerika, bei denen Respighi auch als Pianist und Dirigent auftrat. Der großen Musikmäzenin Elizabeth Sprague Coolidge, die er in Amerika kennenlernte, widmete der Komponist das Orchesterwerk Trittico Botticelliano (1927). Respighi verarbeitete in diesem Werk Gedanken, die er beim Betrachten eines Triptychons des Malers Sandro Botticelli in den Uffizien von Florenz hatte. Die Impressioni brasiliane (1928) entstanden aufgrund der Eindrücke der ersten Reise in dieses Land, was u.a. durch Sambarhythmen im dritten Satz zum Ausdruck kommt.
Angeregt durch seine Frau beschäftigte sich Respighi auch verstärkt mit der Gregorianik (s.u.). Daraus entstanden eine Reihe von Werken, die sich auf gregorianische Themen stützen; z.B. das Concerto gregoriano für Violine und Orchester und Tre Preludi su melodie gregoriane, beide aus dem Jahr 1921.
Für die Ballets russes des berühmten S. Djagilev komponierte Respighi die beliebte Musik zu dem Ballett La boutique fantasque (Der Zauberladen, 1919), die nach Melodien von Rossini entstand, ebenso wie die Suite Rossiniana (1925).
Weltweit berühmt wurde Respighi mit seiner Komposition Fontane di Roma (1916), dem ersten Teil einer Orchestertrilogie. Heutzutage ist jedoch der zweite Teil, Pini di Roma (1924), am bekanntesten, der im zweiten Satz eine mittelalterliche Atmosphäre heraufbeschwört und im dritten Satz eine Schallkonserve mit dem Gesang einer echten Nachtigall verwendet. Die Feste Romane (1928) beschließen das dreiteilige Werk.
Respighi komponierte insgesamt zehn Opern, von denen Re Enzo und Semirama (1910) zu seinen Lebzeiten den größten Erfolg hatten. In Semirama findet sich eine prachtvolle Orchestration von märchenhafter Klanglichkeit. Seine unvollendete Oper Lukrezia stellte 1937 mit Hilfe des Schülers Ennio Porrino seine Frau fertig. In heutiger Zeit wurde 2004 und 2009 seine Oper Marie Victoire erstmals wieder aufgeführt.
Vor allem mit seinen Instrumentalwerken verhalf Respighi, neben seinen Zeitgenossen Casella und Malipiero, der italienischen Musik wieder zu internationalem Ansehen. In seinem gesamten Œuvre zeigt sich ein hoch entwickeltes Gespür für Orchesterfarben. In den symphonischen Konzertprogrammen behauptet sich heutzutage hauptsächlich die römische Trilogie, während Respighis Bühnenwerke nur sehr selten vertreten sind.
Anfang 1936 erlitt Respighi eine Entzündung der Herzinnenhaut, an deren Folgen er 56-jährig verstarb. E.H.

Lesetipp:
- Lee G. Barrow, Ottorino Respighi (1879-1936)
An Annotated Bibliography,Januar 2005, Scarecrow Press; Rowman & Littlefield

Hörtipps:
- Fontane di Roma, Pini di Roma, Antiche danze ed arie - Suite III, Berliner Philharmoniker, H.v. Karajan, DG.
- Il Tramonto, String Quartets, Brodsky Quartet, Anne Sofie von Otter, Challenge.
- Concerto in modo misolidio, Concerto a cinque, Scherbakov, Slovak Radio Symphony Orchestra, Capella Istropolitana, Giffiths, Danel, Naxos.
- Lucrezia, Gesamtaufnahme (Bratislava 1994), Marco Polo


Montag, 14.02.2011

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