Liszt, Franz (1811-1886)

aus kultur Nr. 3 - 1/2004

Wollte man einen Roman über eine Musikerpersönlichkeit schreiben - wer würde sich besser anbieten als der gebürtige Ungar Franz Liszt? Kaum ein anderer Musiker bietet eine derart reichhaltige Vorlage: Gefeiertes Wunderkind, Klaviervirtuose, wegweisender Komponist in den Wirkungskreisen Wien, Paris, Rom, Weimar und Budapest.
Bereits mit neun Jahren gibt Liszt sein erstes Konzert; als Jugendlicher will er eigentlich Priester werden, tritt dann aber eine langjährige Virtuosenlaufbahn an. Seine schillernde Persönlichkeit und seine außergewöhnliche Begabung tragen gleichermaßen zu seinem Weltruhm bei. Liszt genießt die Bewunderung des Publikums; sein offiziell letztes Konzert findet mehrmals statt.
Von 1848 an ist Liszt für zehn Jahre als Kapellmeister in Weimar tätig; kennzeichnend ist hier sein Engagement für zeitgenössische Komponisten und deren Werke, wie die von Hector Berlioz, Robert Schumann und Richard Wagner. In dieser Zeit wendet sich Liszt vermehrt der Komposition zu und begründet das Genre der Symphonischen Dichtung. Dahinter steht die Idee einer "Erneuerung der Musik durch ihre innige Verbindung mit der Dichtkunst". Das dem Zuhörer vorliegende "Programm" einer Komposition (daher auch der Ausdruck "Programmmusik") kennzeichnet dabei die Grundstimmung des Werkes.
Liszts Beschäftigung mit volkstümlichen ungarischen Melodien, besonders der Zigeunermusik, brachte ab dem Jahre 1850 als berühmteste Werkserie die Ungarischen Rhapsodien hervor.
Der Lebemann Liszt lässt sich im Alter von 54 Jahren schließlich zum Weltgeistlichen (Abbé) weihen und komponiert nun vermehrt geistliche Werke, unter ihnen die "Missa choralis" und "Via crucis".
Liszts abwechslungsreiches Leben wird ab 1868 noch durch das Pendeln zwischen Rom, Weimar und Budapest verstärkt.
Die beiden wichtigsten Frauen in seinem Leben sind die Gräfin Marie d'Agoult (aus dieser Verbindung stammt übrigens seine Tochter Cosima, die spätere Frau Richard Wagners) und die Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein.
In seiner kompositorischen Sprache gilt Liszt heutzutage als Wegweiser der Moderne; seherische Fähigkeiten bewies er zudem in der Vorhersage eines Vierteltonsystems.
Ein einzigartiges, wenn auch umstrittenes Liszt-Porträt entstand im Jahre 1975 mit dem Film "Lisztomania" von dem englischen Regisseur Ken Russel. Die schillernde Persönlichkeit des Komponisten inspirierte den Filmemacher hier zu phantasievollen Szenen, die Liszt als "Superstar" feiern. E.H.

Liszt zum Nachlesen:
Sigfried Schibli, Franz Liszt. Rollen, Kostüme, Verwandlungen, Piper.
Wolfgang Dömling, Franz Liszt und seine Zeit, Laaber.

Liszt zum Hören:
Franz Liszt, Ungarische Rhapsodien Nr. 2, 6, 8-15, György Cziffra, Klavier, EMI.
-, Klavierkonzerte Nr. 1 & 2, Alfredo Perl, BBC SO, Yakov Kreizberg, Oehms.
-, Harmonies poetiques et religieuses, Stephen Osborne, Klavier, Hyperion.

Dienstag, 25.02.2014

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