Franck, César (1822 - 1890)

kultur 79 - Oktober 2011

„Alles in allem schien nichts in seinem Äußeren einen ‚Künstler‘ des herkömmlichen Typus zu offenbaren, … ; und wer auf der Straße mit diesem immer eiligen Wesen zusammenrannte, … der konnte sich nicht vorstellen, wie völlig verwandelt er war, wenn er am Klavier ein schönes Kunstwerk erläuterte, erst recht aber, wenn er, die eine Hand an der Stirn und mit der anderen wie zögernd Register und Koppeln ziehend, an der Orgel eine seiner großen Improvisationen vorbereitete. Dann war er von Musik völlig umgeben wie von einem Glorienschein ...“ So schrieb sein Schüler Vincent d’Indy über den Komponisten, Pianisten und Organisten César Franck.
Der gebürtige Belgier wurde in Lüttich geboren. Seine Mutter stammte aus Aachen, sein Vater aus dem belgischen Grenzdorf Gemmenich. Der Vater wünschte sich für César und dessen jüngeren Bruder Joseph eine Virtousenkarriere und schickte sie bereits früh an das Königliche Konservatorium in Lüttich; César sollte Klavierspieler und Joseph sollte Geiger werden. In Lüttich wurde César u.a. von Antoine Jalheau und Louis Daussoigne-Méhul unterrichtet. Er gewann erste Preise und trat mit elf Jahren in einer von seinem Vater organisierten Konzertreihe (Lüttich – Gent – Löwen - Brüssel – Mecheln - Aachen) erstmals öffentlich als Pianist auf. Als er zwölf Jahre alt war, siedelte die Familie Franck nach Paris über, um den beiden Brüdern eine noch bessere und höhere Ausbildung zukommen zu lassen. Bevor César 1837 am Pariser Konservatorium von François Benoist (Orgel), Pierre-Joseph-Guillaume Zimmermann (Klavier), Aimé Ambroise Simon Leborne (Kontrapunkt) und Henri-Montan Berton (Komposition) ausgebildet wurde, erhielt er privat Unterricht von Anton Reicha, zu dessen Schülern auch Franz Liszt, Hector Berlioz und Charles Gounod zählten. Am Konservatorium gewann er erneut erste Preise im Klavierspiel und im Kontrapunkt; der Erfolg als Komponist blieb ihm zunächst jedoch verwehrt. 1842 zog die Familie nach Brüssel. Dort machte Franck die Bekanntschaft mit Franz Liszt, der sich sehr für die von Franck komponierten Klaviertrios interessierte. Nach der Veröffentlichung von zwei Klaviertrios widmete sich Franck verstärkt der Komposition und gab gegen den Willen seines Vaters die Virtuosenkarriere auf.
1844 war die Familie erneut nach Paris übergesiedelt, wo Franck bis zu seinem Lebensende wohnte. 1846 wurde Francks erstes Oratorium Ruth, ein biblisches Hirtengedicht auf Betreiben von Liszt im Konservatoriumssaal uraufgeführt. Zwei Jahre später heiratete er die Tochter der Schauspielerin Desmousseaux, die damals seine Schülerin war.
Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete Franck als Musiklehrer und Pianist, später als Organist an verschiedenen Kirchen. 1858 wurde er Kantor und Organist an der Kirche Sainte-Clotilde; ein Jahr später weihte er dort eines der schönsten Instrumente des Orgelbauers Cavaillé-Coll ein. In dieser Funktion, in der er bis zu seinem Tode tätig war, begann er Musik für die Orgel zu schreiben. Die für den regelmäßigen Gottesdienst entstandenen kürzeren Stücke sind in den beiden Sammlungen L’Organiste zugänglich. Mit seinen größeren Kompositionen für dieses Instrument begründete Franck eine neue französische Schule, die sich durch ihren polyphonen Stil auszeichnet. Sein eigenes Orgelspiel, besonders seine Improvisationen am Ende der Messe, wurde zu einer öffentlichen Attraktion und er galt bald als größter Orgelspieler und -improvisator aller Zeiten.
1872 wurde Franck überraschend zum Professor der Orgelklasse des Konservatoriums als Nachfolger von Benoist ernannt. Um diese Position zu erhalten, nahm er die französische Staatsbürgerschaft an. Zu seinen Schülern zählten u.a. Vincent d’Indy, Ernest Chausson und Henri Duparc.
1885 erhielt Franck den Orden der Ehrenlegion und ein Jahr später wurde er Präsident der Société Nationale de Musique. Francks wichtigste Kompositionen entstanden im letzten Drittel seines Lebens, unter ihnen die Six pièces pour grande orgue, die Symphonie in d-Moll, die Sonate für Klavier und Violine, die symphonischen Dichtungen oder die Trois Chorals. 1890 wurde sein Streichquartett uraufgeführt; dies war zu seinen Lebzeiten sein erster großer öffentlicher Erfolg.
Franck beeinflusste mit seinen Kompositionen eine ganze Generation junger Musiker, wie Vincent d’Indy oder Ernest Chausson. Seine Lehrtätigkeit war von einer Eindringlichkeit und Lebendigkeit geprägt, die seine Schüler immer wieder hervorgehoben haben. Heutzutage wird Franck für seinen harmonischen Reichtum und seine gestalterischen Neuerungen geschätzt. In seinen Werken zeigt sich eine Vorliebe für häufige Modulationen (s.u.). Besonders stark ausgeprägt sind das polyphone Denken und die meisterliche Behandlung der Fuge und des Kanons.
Franck starb in seinem Haus am Boulevard de Montparnasse an den Folgen einer Brustfellentzündung. Zunächst auf dem Friedhof von Mont­rouge beigesetzt, wurde sein Leichnam später auf den Friedhof Montparnasse überführt. Rodin schuf für dieses Grab ein Medaillon mit einem Porträt des Komponisten. E.H.


Lesetipp:
- Wilhelm Mohr, Caesar Franck, Schneider
Hörtipps:
- Symphonie, Psyché, Orchestre de Paris, Daniel Barenboim, Brilliant Classics.
- String Quartet, Piano Quintet, Vilnius String Quartet & Muza Rubackyte, Brilliant Classics.
- The Great Organ Works Vol. 1+2, Eric Lebrun, Cavaillé-Coll Organ, Saint-Antoine des Quinze-Vingts, Paris, Naxos.

Donnerstag, 12.09.2013

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