Dowland, John (1563 - 1626)

kultur 91 - Dezember 2012

Der englische Komponist und Lautenvirtuose John Dowland stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus einer Handwerkerfamilie, jedoch ist nichts Genaues über seine Herkunft und Kindheit bekannt. Mit 17 Jahren reiste Dowland nach Paris um sich mit der französischen Lautenschule vertraut zu machen. Während seines dortigen Aufenthaltes konvertierte er zum Katholizismus. Um 1584 kehrte er nach England zurück und erhielt 1588 den Grad eines Bachelor of Music am Christ Church College in Oxford. Aus Dowlands Ehe ging sein Sohn Robert hervor (1591), der ebenfalls Lautenist wurde. Nachdem 1594 die Bewerbung um eine Lautenistenstelle am englischen Hof erfolglos blieb, reiste Dowland zunächst zu Herzog Heinrich Julius von Braunschweig und Lüneburg nach Wolfenbüttel. 1595 gelangte er an den Hof von Moritz, Landgraf von Hessen. Von dort reiste Dowland weiter nach Italien und spielte nachweislich vor Ferdinand I., Großherzog der Toskana. 1596 kehrte der Komponist an den Hof Moritzs von Hessen zurück. Im Jahr darauf gab Dowland seinen ersten Musikdruck heraus; The First Booke of Songes or Ayres. Dieses Liederbuch war so erfolgreich, dass es bis 1613 viermal aufgelegt wurde. In den Jahren 1598 bis 1606 war Dowland am Hof des dänischen Königs Christian IV. als Lautenist tätig. 1600 erschien The Second Booke of Songs or Ayres, 1603 The Third and Last Booke of Songs und im Frühling 1604 folgte Lachrimae, or Seaven Teares, das Königin Anne, der Schwester Christian IV. von Dänemark, gewidmet ist. 1609 erschien in England, wohin er mittlerweile zurückgekehrt war, Dowlands Übersetzung des Musiktraktats Musica activae micrologus von A. Ornithoparchus. 1609 bis 1612 stand Dowland in einem Dienstverhältnis mit Theophilus, Lord Howard de Walden. 1612 erschien abermals eine Liedersammlung, A Pilgrimes Solace. Im selben Jahr erhielt der Komponist die langersehnte Anstellung am englischen Hof, allerdings nicht als herausragender königlicher Kammervirtuose, sondern als einer von mehreren Lautenisten. 1621 erschien erstmals der Doktortitel in Verbindung mit Dowlands Namen, jedoch ist ungeklärt an welcher Universität er diesen Titel erwarb. Am 20. Februar 1626 wurde Dowland in der Londoner Pfarrgemeinde St. Ann Blackfriars, beigesetzt.
Dowland war bereits zu seinen Lebzeiten europaweit bekannt. Seit Mitte der 1590er Jahre sind die ersten Huldigungen über seine Person verzeichnet, die ihm Literaten und Publizisten sowie Musikerkollegen entgegenbrachten. Heutzutage zählt er zu den bedeutendsten englischen Liedkomponisten.
Seine Solostücke für Laute sind überwiegend in Handschriften überliefert. Neben diesen Kompositionen bilden das Lautenlied und Kompositionen für Consort (s.u.) den Schwerpunkt seines Schaffens. Dowland war ein Meister des vokalen Satzes. Seine ayres zu weltlichen Themen, die er in seinen song books in eigenständigen Dru­cken herausbrachte, formte er über einen Zeitraum von 15 Jahren inhaltlich, stilistisch und aufführungspraktisch in innovativer Weise. Vor allem in seinen späteren song books verband er innerhalb dieser Gattung einen hochkomplexen polyphonen Liedsatz mit einem deklamatorischen Stil. Die ayres zeichnen sich durch einen melancholischen Selbstbezug und extreme Stimmungslagen aus. Ein Höhepunkt an Ausdrucksintensität wird vor allem in dem Lied In darkness let me dwell (A Musicall Banquet, 1610) erreicht.
Auch auf dem Gebiet der vierstimmigen Psalmaussetzungen und vierstimmigen Consort songs war Dowland ein Meister seines Faches. Die Sammlung instrumentaler Ensemblemusik Lachrimæ, or Seaven Teares, die Dowland 1604 im Selbstverlag herausgab, war eine der bedeutsamsten und beliebtesten ihrer Art.
Eine weitere Besonderheit seiner gedruckten Werke, die seit dem First Booke of Songes or Ayres für alle folgenden Sammlungen von Lauten-Liedern verwendet wurde, war das Format. Dowland schrieb die einzelnen Stimmen so auf, dass das Blatt flach auf einen Tisch gelegt werden konnte und alle Spieler, um den Tisch gruppiert, ihre Stimme lesen konnten.
Rund 75 Solokompositionen für Laute können Dowland zweifelsfrei zugeschrieben werden. Der Komponist übertraf in Umfang und Vielfalt seines Repertoires alle seine Zeitgenossen und war der einflussreichste Lautenist seiner Zeit. In europäischen Handschriften und Anthologien sind zahlreiche Varianten von Dowlands Lautenkompositionen erhalten. Bedeutende Zeitgenossen wie etwa W. Byrd und Th. Morley verarbeiteten seine Solowerke. Dowland hatte eine besondere Vorliebe für die Galliard; mehr als 30 Stücke mit dieser Bezeichnung sind erhalten. Sein beliebtestes Werk war die Pavane Lachrimae, die er in das Lied Flow my tears umarbeitete. Dieses Lied erschien in etwa 100 Manuskripten und Drucken in verschiedenen Bearbeitungen für Solo- und Ensemblebesetzung.
Dowlands virtuoses, während der Aufführung stets verändertes, hochindividuelles Lautenspiel wurde allseits gerühmt. Während er in seiner Jugend auf einer sechssaitigen Laute spielte, verlangen die meisten seiner Lautenstücke und die Lieder seiner drei song books eine siebensaitige Laute. Gegen Ende seines Lebens scheint er auch auf einer neunsaitigen Laute gespielt zu haben. Dowland brachte die Kunst des Renaissancelautenspiels zu einem krönenden Abschluss. E. H.

Hörtipps:
- Complete Lute Works Vol. 1-5, Paul O’Dette, harmonia mundi.

- Lachrimae or Seaven Teares, Hespèrion XX, Jordi Savall, Astrée.

- Consort Music and Songs, Rose Consort of Viols, Naxos.

Donnerstag, 12.09.2013

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