d’Albert, Eugen (1864 - 1932)

aus kultur Nr. 61 - 12/2009

Der in England geborene Komponist stammt aus einer ursprünglich italienischen Familie. Sein Großvater hingegen hatte eine ausgesprochene Vorliebe für alles Deutsche, die sich bei Eugen fortsetzte: Mit sieben Jahren lernte er eigenständig nach einem Wörterbuch die deutsche Sprache und las unter anderem Goethes Faust. D’Alberts Vater war Dirigent am Covent Garden und ein beliebter Komponist von Salon- und Tanzmusik.
Bei Eugen zeigte sich schon früh eine außergewöhnliche pianistische und kompositorische Begabung. Als er 1874 erfuhr, dass in seiner Altersklasse ein Musikpreis für ein Stipendium an der Neuen Musikschule in London ausgeschrieben wurde, meldete er sich unverzüglich an und gewann den Wettbewerb. Von dem Klaviervirtuosen Ernst Pauer erhielt er an dieser Schule eine entscheidende Förderung. Mit vierzehn Jahren gewann er ein von Queen Viktoria ausgesetztes Preisausschreiben, die ihn daraufhin zweimal nach
Bu­­­­ck­­ingham Palace einlud. D’Albert trat anschließend auf unzähligen Fes­ten des englischen Adels auf und wurde zu „dem“ Ereignis des Jahres 1878.
Im Jahr darauf spielte er Anton Rubinstein vor und lernte kurze Zeit später Hans Richter kennen. Durch diesen trat d’Albert 1881 als Solist in einem so genannten „Richter-Konzert“ in London auf. Hier spielte er mit großem Erfolg auch ein selbst komponiertes Werk, ein Klavierkonzert in a-moll. Hans Richter nahm d’Albert 1881 mit nach Wien. Dort lernte er Johannes Brahms kennen und spielte Franz Liszt auf dem Klavier vor. Liszt nahm d’Albert begeistert in seinen Schülerkreis in Weimar auf und vollendete seine pianistische Ausbildung. Er betrachtete d’Albert als einen seiner begabtesten Schüler und verglich ihn mit dem früh verstorbenen Klaviergenie Carl Tausig. Über seinen Lehrer äußerte sich d’Albert später: „Überhaupt, alles, was ich vom höheren Klavierspiel weiß und lernte, verdanke ich Liszt.“ Anlässlich eines Konzertes in Weimar ernannte der Großherzog d’Albert zum Hofpianisten. Nach dem glanzvollem Debüt in Berlin begann seine gut 50 Jahre dauernde Konzerttätigkeit in den verschiedensten Ländern Europas und in Amerika.
Mit seinen insgesamt sieben Ehefrauen wechselte d’Albert - ohnehin ständig auf Reisen - häufig seinen Wohnort. Neben verschiedenen deutschen Städten wohnte er auch in Italien und der Schweiz.
Parallel zu seiner pianistischen Laufbahn komponierte d’Albert insgesamt 21 Opern, Vokal- und Instrumentalwerke. Seine Oper Tiefland hatte zu seinen Lebzeiten den größten weltweiten Erfolg; in der Spielzeit 1908/09 stellte dieses Werk nach der Zahl der Aufführungen sogar die damals beliebteste Oper Carmen von George Bizet in den Schatten. Auch die Oper Die toten Augen wurde mehrmals aufgeführt, wohingegen für die weiteren Werke dieser Gattung der erhoffte Erfolg Zeit seines Lebens ausblieb. In fast allen zeitgenössischen Kritiken, die zu d’Alberts Opern verfasst wurden, wird ein Merkmal immer wieder hervorgehoben: die Feinheit der Instrumentierung, die meisterhafte Behandlung des Orchesters. Häufig kritisiert wurde dagegen die Wahl des Opernstoffs oder das Textbuch. Erst in den 1990er Jahren wurden auch einige andere Bühnenwerke d’Alberts wieder aufgeführt, unter ihnen Der Golem.
Von seinen Instrumentalwerken ist vor allem das Cellokonzert op.20 besonders beliebt. Neben den vielen kleinen Charakterstücken für Klavier spiegelt sich sein Stil auch besonders in seinen Klavierliedern wider.
Für den Verlag Breitkopf & Härtel stellte der Komponist die Liszt-Gesamtausgabe zusammen. D’Albert schrieb Kadenzen (s.u.) zu Beethovens 4. Klavierkonzert und bearbeitete u.a. Bachs Orgelwerke für Klavier. Einige zeitgenössische Komponisten widmeten ihm Werke, so Richard Strauss seine Burleske. Unter dem Dirigat von Johannes Brahms brachte d’Albert dessen zwei Klavierkonzerte innerhalb eines Abends zur Aufführung. Zu seinen engsten Freunden zählten Engelbert Humperdinck und Gerhard Hauptmann.
D’Alberts Klavierspiel galt zu seiner Zeit als unvergleichlich. Der Pianist Edwin Fischer schrieb 1944 in einem Gedenkartikel zu d’Alberts 80. Geburtstag: „Wir Pianisten verdanken ihm viel: er überlieferte uns, die wir Liszt und Anton Rubinstein nicht mehr gehört haben, die Geheimnisse ihres Vortrags und einen reinen Beethovenstil. (...) Er war ein Pianist aus Instinkt, in seiner Technik uns an das Geschlecht der Katzen, der Löwen erinnernd; ihm war jene Tatze zu eigen, die ebenso unfehlbar zerschmetternd zuschlagen kann, wie gelöst sanft streicheln. Aber auch als Pianist war er immer schöpferischer Musiker. Er las Partituren wie andere die Zeitung, und unvergeßlich ist mir seine prima vista Interpretation Debussyscher Kompositionen, denen er, obwohl er sie noch nie gesehen hatte, sofort den ganzen Klangzauber gab, der ihren Stil ausmacht.“
Von d’Albert gibt es „Aufnahmen“ seiner pianistischen Fähigkeiten, da er - ebenso wie z.B. Camille Saint-Saëns, Richard Strauss oder Engelbert Humperdinck - an einem damals von der Firma Welte-Mignon entwickelten Verfahren teilnahm. Dabei wurden über einen extra dafür gebauten Steinway-Flügel die gespielten Töne in Papierrollen gestanzt. Diese Rollen konnten dann wieder zurück in Klang überführt werden, so dass heute auf der Sammlung von Welte-Aufnahmen Liszt-Schüler spielen Liszt, Berühmte Pianisten der Jahrhundertwende spielen Schubert und Berühmte Opernkomponisten spielen ihre Werke d’Albert als Interpret zu hören ist. E.H.

Hörtipps:
- Eugen d’Albert - The Centaur Pianist, Complete Studio Recordings 1910-28, Arbiter.
- Klavierkonzerte Nr. 1 und 2, Joseph Banowetz, Moscow Symphony Orchestra, Dmitry Yablonsky, Naxos.
- Cellokonzert D-Dur op. 20, u.a., Alban Gerhardt, BBC Scottish Symphony Orchestra, Caros Kalmar, hyperion.

Lesetipps:
- Charlotte Pangels, Eugen d’Albert, Atlantis.

Mittwoch, 05.01.2011

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