Couperin, François (1668 - 1733)

kultur 75 / 4/2011

Der französische Cembalist, Organist und Komponist stammt aus einer Musikerfamilie, deren Ursprung in der 55 km östlich von Paris entfernten Brie liegt. Das musikalische Wirken der Couperins reicht vom Ende des 16. bis zur ers­ten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Von 1653 bis 1826 waren Mitglieder dieser Familie Organis­ten an Saint-Gervais in Paris; so auch François ‘ Vater Charles. Als dieser 1679 starb, sorgte Fran­çois ‘ Mutter dafür, dass ihm diese Stelle freigehalten wurde, bis er sie im Alter von 18 Jahren übernehmen konnte. Die Organistenstelle an Saint-Gervais wurde François bis zu seinem Lebensende übertragen; er ernannte 1723 jedoch seinen Vetter Nicolas Couperin als Nachfolger.
In Jacques-Denis Thomelin, Organist der Kirche Saint-Jacques de la Boucherie und seit 1678 Organist der königlichen Kapelle, fand der junge François einen zweiten Vater, der ihn im Cembalo- und Orgelspiel und in Komposition unterrichtete. Bereits in jungen Jahren komponierte Couperin zwei Orgelmessen, die handschriftlich mit gedruckter Titelseite veröffentlicht wurden.
1693 gewann er den Organistenwettbewerb der königlichen Kapelle um die Nachfolge seines ehemaligen Lehrers Thomelin. Dadurch erhielt er das im Januar beginnende Viertel dieser Stelle – seit 1678 war dieses Amt auf vier Personen verteilt. Für die königliche Kapelle komponierte Couperin vermutlich eine große Zahl von Motetten, von denen einige für großen Chor entstanden. Als Cembalist wirkte er an mehreren selbstkomponierten Hofkonzerten mit. Zusätzlich zu seinen Tätigkeiten als Organist und Cembalist am Hof widmete sich Couperin auch dem Musikunterricht. Einer seiner Schüler war Monseigneur le Dauphin Duc de Bourgogne, den er im Cembalospiel, in der Komposition und im Generalbassspiel unterrichtete. Ebenfalls im Cembalospiel unterrichtete er wahrscheinlich sechs Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses. Zu seinen Schülerinnen zählten auch die Infantin von Spanien und Maria Lszcynska, die spätere französische Königin. Seine Erfahrungen als Lehrer gingen in sein bedeutendes, 1716 veröffentlichtes Unterrichtswerks L‘Art de toucher le clavecin (Die Kunst Cembalo zu spielen) ein. Dieses Lehrwerk hebt sich in seiner Originalität deutlich von den damaligen Veröffentlichungen ab.
Couperin verkehrte auch am Hof der englischen Könige Jakob II. und Jakob III., die im Exil zwischen 1690 und 1712 im Schloss von Saint-Germain-en-Laye residierten. Die Kapelle Jakobs II. leitete der italienische Komponist Innocenzo Fede. Couperin hatte eine ausgesprochene Vorliebe für die italienische Musik und vor allem für die Werke A. Corellis, die ihn zur Komposition von Triosonaten anregten. Couperin setzte sich auch für eine Vereinigung des italienischen und des französischen Geschmacks ein.
Die 1697 erschienene Air Qu’on ne me dise war die erste gedruckte Veröffentlichung Couperins. Ihr folgten weitere Airs und sieben Cembalowerke, bevor 1713 das erste Buch der Pièces de clavecin erschien. Außerdem wurden Kammermusikwerke gedruckt und die folgenden Bücher der Pièces de clavecin. Der überwiegende Teil seiner Kammermusik kann auf zwei Cembali ausgeführt werden. Der von ihm hervorragend beherrschte zweistimmige Satz ist für viele Concerts royaux charakteristisch. Die Möglichkeit der Besetzung mit unterschiedlichen Instrumenten findet sich auch in einigen Cembalostücken.
Die in vier Büchern veröffentlichten Pièces de clavecin stellen den wichtigsten Teil von Couperins Schaffen dar. Obwohl viele Stücke der traditionellen Cembalomusik angehören, zeichnen sie sich durch eine kunstvolle Melodik und Harmonik aus. Einige Werke überschreiten die für Tänze üblichen Dimensionen. Couperin nutzte mit Vorliebe die tiefe und mittlere Lage des Instruments, verwendete aber vom dritten Buch an auch das hohe Register, dem er eine große Klangfülle verlieh. Aufgrund des großen Quartformats, in dem die Werke gedruckt wurden, konnten sie ohne umblättern gespielt werden. Der Notenstich von dreien der Bücher durch ­François Duplessy zählt zu den Meisterwerken dieser Art.
Bis auf zwei Ausnahmen ist die gesamte geistliche Musik Couperins nur handschriftlich überliefert. Sie lebt von dem Kontrast zwischen sehr schlichten Passagen großer Innerlichkeit und unvermittelt eintretenden, heftigen Ausbrüchen. Die Satztechnik lässt italienischen Einfluss erkennen.
Über das Leben François Couperins ist leider nur wenig bekannt und es gibt so gut wie keine zeitgenössischen Berichte über seine Persönlichkeit. Hingegen sind mehrere Porträts von Couperin erhalten, unter ihnen der berühmte Stich von Jean-Jacques Fliparts aus dem Jahre 1735, der eine „ressemblance heureuse et frappante“ (eine geglückte und frappante Ähnlichkeit) aufweisen soll.
Zeitgenössische Komponisten widmeten Couperin Stücke, die sie mit seinem Namen betitelten, oder komplette Werke. Der Erfolg seiner Musik – nicht nur in Frankreich, sondern auch in Italien, England und Deutschland – spiegelt sich in den zahlreichen Parodien (s.u.) seiner Cembalowerke wider. Die erste Gesamtausgabe seiner Werke wurde 1933 veröffentlicht; ihre Revision wurde 1980 begonnen. E.H.

Hörtipps:

- Concerts royaux, Pièces à deux clavecins, Smithsonian Chamber Players, deutsche harmonia mundi.
- Chamber Music, Musica ad Rhenum, Brillant Classics.
- Leçons de Ténèbres, Concerto Vocale, René Jacobs, harmonia mundi.

Donnerstag, 12.09.2013

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