Bach, Carl Philipp Emanuel (1714 - 1788)

kultur 89 - Oktober 2012

Der Komponist ist der zweite überlebende Sohn aus Johann Sebastian Bachs erster Ehe mit Maria Barbara Bach, die bereits 1720 verstarb. Georg Philipp Telemann übernahm seine Patenschaft. Charles Burney beschrieb den Bach-Sohn als „eher kurz als lang von Wuchs“ mit schwarzen Haaren und Augen, einer dunklen Gesichtsfarbe und beseelten Miene sowie „munter und lebhaft im Gemüth“. Wegen seiner äußeren Erscheinung wurde er auch der „schwarze Bach“ genannt. Carl Phi­lipp Emanuel zeichnete sich durch Natürlichkeit, Tiefe und Nachdenklichkeit aus und war ein lustiger Gesellschafter. „In der Komposition und im Clavierspielen habe ich nie einen anderen Lehrmeister gehabt, als meinen Vater.“ 1731 stach C.Ph.E. Bach seine erste Komposition eigenhändig in Kupfer: ein Tanzsatz, der als „Menuett mit überschlagenden Händen“ (Wq 111) bekannt ist. Im selben Jahr begann er an der Universität Leipzig ein Jurastudium. Drei Jahre später wechselte er an die juristische Fakultät in Frankfurt/Oder. Dort war er auch als Klavierlehrer sowie Leiter und Komponist „aller damals vorfallenden öffentlichen Musiken bei Feyerlichkeiten“ tätig. In Frankfurt entstanden zwei Huldigungskantaten, ein zweiteiliges Adventsoratorium zur Einweihung der Unterkirche und Bach führte – vermutlich mit seinem eigenen Collegium musicum – auch Werke seines Vaters auf. 1738 ging der Bach-Sohn nach Berlin, um einen jungen Adligen als Hofmeister auf seiner Kavaliersreise zu begleiten. Ein „unvermutheter gnädiger Ruf zum damaligen Kronprinzen von Preussen, jetzigen König, nach Ruppin,“ verhinderte jedoch diese Reise und Bach wurde nach der Thronbesteigung Friedrichs des Großen endgültig in dessen Dienst gestellt. Als Mitglied der Hofkapelle war er nun fast drei Jahrzehnte in Berlin und Potsdam tätig. Eine besondere Wertschätzung erfuhr der Cembalist Bach dort jedoch nicht; diese kam vor allem den ebenfalls dort tätigen Musikern Johann Joachim Quantz und den Gebrüdern Graun zu.

Seit 1744 war Bach mit Johanna Maria Dannemann verheiratet, mit der er zwei Söhne und eine Tochter bekam. Während seiner Berliner Zeit entstanden etwa 35 Cembalokonzerte und acht Sinfonien. Bach näherte sich dort auch der bürgerlichen Musikkultur; in deren Konzerten wurden vermutlich seine Orchesterwerke aufgeführt. Der Komponist traf sich in Berlin mit den führenden Dichtern seiner Zeit – Lessing, Ramler, Gleim und Krause – und beteiligte sich an einer Reihe von Liedersammlungen. Gelegentlich schrieb Bach auch groß besetzte Vokalwerke; das Magnificat ist wahrscheinlich für die Kapelle der preußischen Prinzessin Anna Amalia entstanden. Sie zählte zu Bachs Gönnerinnen und verlieh ihm aufgrund seines Wegzugs nach Hamburg den Kapellmeistertitel.

Die von 1760-66 gedruckten drei Hefte mit je sechs Sonaten widmete Bach Anna Amalia – diese Werke sowie weitere Sechs leichte Clavier-Sonaten trugen wesentlich zu Bachs Beliebtheit bei. Nicht nur der junge Ludwig van Beethoven hatte Bachs Klaviermusik gründlich studiert, auch Joseph Haydn beschäftigte sich vor allem mit den bereits 1742–44 erschienenen zwei bedeutenden Sammlungen von je sechs Sonaten; den „Preußischen“ und den „Württembergischen“ Sonaten. Das Stilmittel des Witzes und des Überraschenden ist ohne das Vorbild Bachs bei Haydn kaum denkbar. Auch Wolfgang Amadeus Mozart hatte sich mit Bachs Musik beschäftigt; er richtete z.B. das Charakterstück La Boehmer (Wq 117,26) als Finalsatz für sein frühes Klavierkonzert KV 40 ein.

Als theoretisches und ästhetisches Begleitwerk zum Berliner Klavierschaffen erschien 1753 Bachs Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen mit Exempeln und achtzehn Probe-Stücken in sechs Sonaten. Dieser Klavierschule, die einen hervorragenden Ruf hatte, folgte 1762 ein zweiter Teil.
1768 erfolgte Bachs Amtseinführung in Hamburg: In der Nachfolge Georg Philipp Telemanns wurde er zum Musikdirektor der fünf Hauptkirchen der Hansestadt ernannt. In dieser Funktion komponierte Bach zwischen 1769 und 89 jährlich eine neue Passion, die in wenigen Tagen in allen fünf Kirchen aufgeführt wurde. In Bachs Matthäuspassionen übernahm er von seinem Vater neben dem Grundschema ganze Kompositionsteile, komponierte die Ariosi und Arien für jedes Werk jedoch neu. Wegen ihrer Bindung an lokale liturgische Traditionen erlangten seine Passionen aber keine überregionale Bedeutung. Dagegen machte sich Bach vor allem mit seinen Oratorien Die Israeliten in der Wüste (1769) und Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu (1774), die bereits weniger für die Kirche als für das Konzert bestimmt waren, einen Namen. In diesen Werken wurde vor allem die Plastizität und Leidenschaft der Empfindung gerühmt. Auch als Komponist geistlicher Lieder, die vor allem für die häusliche Erbauung gedacht waren, hatte sich Bach einen Ruf erarbeitet.

Bach verlegte viele seiner Lieder und Klaviermusik im Selbstverlag und baute das Verfahren der Pränumeration aus, wodurch er beträchtliche Gewinne erzielte. Große Beachtung fanden auch die in Hamburg komponierten sechs Cembalokonzerte Wq 43, die 1772 veröffentlicht wurden.
Nicht nur in Norddeutschland, sondern auch in weiten Teilen Europas war Carl Philipp Emanuel für seine Zeitgenossen „der große Bach“. Charles Burney begeisterte sich, „daß seine Kompositions so reichhaltig an Erfindung, Geschmack und Gelehrsamkeit sind“ und im Allgemeinen wurde die Souveränität gepriesen, mit der Bach auf den einfachen Ausdruck baute, ob nun im erhabenen oder im anmutigen Genre. Während er zu seinen Lebzeiten an kompositorischem Vermögen und Vielseitigkeit Joseph Haydn in nichts nachstand, verlor der Bach-Sohn im Laufe der Geschichte an Größe.

Auch für sein ausgezeichnetes Klavierspiel war der Bach-Sohn bekannt. Bei einem Besuch Burneys „war Herr Bach so verbindlich, sich an sein Lieblingsinstrument, ein Silbermannisches Clavier zu setzten, auf welchem er drey oder viere von seinen bes­ten und schweresten Kompositions, mit der Delikatesse, mit der Precision und mit dem Feuer spielte, wegen welcher er unter seinen Landsleuten mit Recht so berühmt ist.“

Bachs Grabstätte ist in der Hamburger Michaeliskirche zu finden. In seinem Nachlass befand sich ein großer Bestand an Musikhandschriften seines Vaters, die er für die Nachwelt bewahrt hat und ohne die wir kaum die Hälfte des Gesamtwerks Johann Sebastian Bachs kennen würden. E.H.


Hörtipps:
- Hamburger Symphonien, Academy of Ancient Music, Christopher Hogwood, Decca.
- Sei Concerti per il Cembalo Concertato Wq 43, Andreas Staier, Freiburger Barockorchester, Petra Müllejans, harmonia mundi.
- Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu, U. Schwabe, Chr. Genz
- Ex Tempore, La Petite Bande, Sigiswald Kuijken, hyperion.

Lesetipps:
- Hans-Günther Ottenberg, Carl Philipp Emanuel Bach, Schott.
- Martin Geck, Die Bach-Söhne, Rowohlt.

Dienstag, 25.02.2014

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