Schauspieler/in - kultur Nr. 18 - 6/2005

Schauspieler erarbeiten Rollen, mit denen sie als "Medium" zwischen Werk und Publikum auftreten. Die Erarbeitung einer Rolle ist ein mehrstufiger Prozess: von der Auseinandersetzung mit Rolle und Text im Selbststudium, über Leseproben mit der Regie und weiteren Darstellern des Stücks bis zu szenischen Proben und schließlich der Aufführung des Stücks vor Publikum. Darüber hinaus ist der Berufsalltag von Schauspielern stark arbeitgeberabhängig - sei es ein großes städtisches Theater, ein kleines Privattheater, ein Musicalunternehmen o.ä. Vielfach werden Schauspieler nur für einzelne Projekte engagiert, z.B. für eine bestimmte Bühnen- oder Filmproduktion, sodass ein hohes Maß an zeitlicher und räumlicher Flexibilität erforderlich ist.
Darstellerische und stimmliche Begabung, Freude an schauspielerischer Selbstpräsentation und daran, einen eigenständigen künstlerischen Ausdruck zu entwickeln, gute Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit sowie Interesse an Theater, Kunst und vielseitigen Medien sind für eine erfolgreiche Tätigkeit als Schauspieler Voraussetzung. Hinderlich kann hingegen ein zu starkes Bedürfnis nach "künstlerischer Freiheit" sein, wenn es der Arbeit im Team entgegensteht.
Die drei- bis vierjährige Schauspielausbildung erfolgt an Berufsfachschulen, Berufskollegs, Fachakademien oder im Rahmen eines Studiums an Kunstakademien, wobei die Wahl zwischen den Fachrichtungen "klassisches" Theaterschauspiel, Musical, neue Medien oder Pantomime besteht. Allerdings gibt es in Deutschland nur recht wenige Schauspielschulen, sodass Aufnahmeprüfungen bei sehr niedrigen Aufnahmequoten erforderlich sind (an der Berliner Ernst-Busch-Schule bewerben sich z.B. jedes Jahr über 1000 Kandidaten auf 23 Ausbildungsplätze) und teilweise ein Höchstalter für den Ausbildungsbeginn (24-30 Jahre) festgelegt wurde.
Die Ausbildung umfasst die Bereiche Stimme/Sprechen (Stimm- und Gehörbildung, Gesang), Körper/Bewegung (Körpersprache, Pantomime, Tanz, Rhythmik, Akrobatik, Fechten und Kampftechnik), Spiel/Darstellung (Rollenstudium, darstellerische Umsetzung und Improvisation) sowie Theorie z.B. der Literatur- und Theatergeschichte, Dramaturgie, Kostüm- und Maskenkunde sowie internationaler Theaterformen und -kulturen. Einen großen Teil der Zeit nimmt bereits während der Ausbildung das Rollenstudium ein. Doch auch direkte Bühnenpraxis wird vermittelt, so z.B. durch Mitwirken bei Aufführungen der Akademien, die z.T. eng mit Theatern, TV- oder Rundfunksendern zusammenarbeiten. Praktika und der Besuch von Theatervorstellungen runden die Ausbildung ab.
Doch auch nach dem Einstieg ins Berufsleben ist es mit dem Lernen nicht vorbei: Es gilt, ein Repertoire zu erarbeiten - nach "Rollenfach" und Spielplan oder Engagements in der freien Theaterszene - und die persönlichen Einsatzmöglichkeiten bestmöglich zu erweitern, evtl. auch durch Fortbildungen in angrenzenden Bereichen wie Dramaturgie, Regie, Management, Gestaltung oder Technik.
In finanzieller Hinsicht ist die Ausbildung zum Schauspieler problematisch, denn es wird keine Ausbildungsvergütung gezahlt. Zusätzlich entstehen Kosten für Lernmittel und Ausbildungsgebühren.
Die Mitglieder des Deutschen Bühnenvereins haben sich verpflichtet, fest engagierten Schauspielern eine monatliche Mindestgage von 1550 e zu zahlen. Das Gehalt freiberuflicher Schauspieler liegt im Schnitt bei nur 846 € monatlich. Bei Filmproduktionen liegen die Löhne pro Drehtag auf höherem Niveau (mind. 500 €/Tag). Für Schauspieler ist Arbeitsplatzsicherheit ein kritisches Thema, so lag im Jahr 2003 die Arbeitslosenquote unter Schauspielern bei 37%.
Ein Beruf, der viel Einsatz und Idealismus erfordert und auf ein ebensolches Maß an Respekt seitens der Zuschauer hoffen lässt. J.S.

Quellen und weitere Informationen:
* Bundesagentur für Arbeit, BERUFEnet, http://berufenet.arbeitsamt.de/bnet2/S/kurz_B8326100.html.
* Berufe im Spiegel der Statistik, http://www.abis.iab.de/bisds/data/seite_832_BO_a.htm.
* Jobatlas sueddeutsche.de, http://www.sueddeutsche.de/app/jobkarriere/jobatlas/index.html.

Donnerstag, 06.12.2007

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