Fachkraft für Veranstaltungstechnik - kultur 17 - 5/2005

Als Besucher eines Theaterstücks oder einer Opernaufführung mag man das Erlebnis Theater vielleicht am liebsten genießen, in dem man sich ganz auf das Spiel - die Darsteller, den Text, die Musik - konzentriert und sich ”an den Schauplatz entführen” lässt. Doch dessen technischen ”Geheimnissen” auf den Grund zu gehen, kann ebenso interessant sein: Wie entstehen Tag und Nacht auf der Bühne, woher kommen Sonne, Schnee und Regen einzelner Szenen, was passiert wo und wie, wenn sich die Bühne plötzlich dreht, hebt oder verschiebt? Um all diese Effekte zu planen und durchzuführen, ist eine große Schar von Technikern vor, während und nach jeder Aufführung aktiv, die sich um Montage, Beleuchtung, Ton und vieles mehr kümmert.
Während früher diese Tätigkeiten als seperate Berufe erlernt wurden - z.B. Beleuchter, Tontechniker oder Bühnentechniker - und dies zudem häufig in Form eines Quereinstiegs ohne geregelte Ausbildung erfolgte, wird seit einiger Zeit den wachsenden Anforderungen seitens der Theater bezüglich der Vielseitigkeit von Kenntnissen ihrer Angestellten Rechnung getragen: Seit sieben Jahren gibt es den bundeseinheitlichen, staatlich anerkannten Ausbildungsberuf ”Fachkraft für Veranstaltungstechnik”. Wer diese dreijährige Ausbildung absolviert, erlernt fundiertes Basiswissen in allen bühnentechnischen Bereichen. Voraussetzung zum Beginn der Ausbildung ist mindestens der Hauptschulabschluss und ein Alter von 14 Jahren. Aufgrund der Jugendschutzbestimmungen bzgl. Arbeit in den Abendstunden ist ein Mindestalter von 17 Jahren bei Ausbildungsbeginn jedoch ratsam. Ebenso wird ein höherer Schulabschluss vielfach vorteilhaft sein (2/5 aller Fachkräfte für Veranstaltungstechnik haben das Abitur absolviert). Zudem sind technisches und handwerkliches Geschick, Kreativität, musikalisches Gehör, Höhentauglichkeit, eine gute körperliche Konstitution, zeitliche und räumliche Flexibilität, Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein erforderlich. Die Ausbildung erfolgt parallel an einem Ausbildungbetrieb (z.B. Theater- und Konzerthäuser, TV- oder Hörfunksender, Veranstaltungsagenturen oder Messeeinrichtungen) und einer passenden Berufsschule.
In den ersten beiden Jahren der dreijährige Ausbildung werden Kenntnisse in der Konzeption und Kalkulation von Veranstaltungen, sicherheitstechnischen Erfordernissen, Organisation von Arbeitsabläufen und der umfassende Umgang (Transport, Einrichtung, Bedienung) mit bühnentechnischen Geräten und Anlagen für Energie, Licht, Ton, Daten sowie für Spezialeffekte vermittelt, ebenso die Montage von bühnen- und szenentechnischen Einrichtungen. Im letzten Ausbildungsjahr besteht die Wahl zwischen einer Spezialisierung auf die Durchführung von Veranstaltungen oder auf Organisation, wobei die erstere stärker für den Bereich Theater qualifiziert (Erlernen von Soundchecks, der Durchführung von Bild- und Tonmitschnitten, Spezialeffekten wie Pyro- oder Lasertechnik sowie der professionellenPlanung von Abläufen im Team), letztere hingegen für den Messebau. Doch auch nach absolvierter Ausbildung sind während des Berufslebens aufgrund häufiger Fortentwicklungen technischer Standards Weiterbildungen und evtl. Spezialisierungen notwendig.
Die Gehälter für Fachkräfte für Veranstaltungstechnik variieren je nach Einsatzgebiet stark - als ein Anhaltspunkt: Das Gehalt eines Tontechnikers liegt bei etwa 2.045-2.556 e (Quelle: http://www.sueddeutsche.de/app/jobkarriere/gehaltstest/index.htm). Aufstiegsperspektiven bestehen z.B. durch die Prüfung zum Meister für Veranstaltungstechnik, eine Fortbildung zum Elektrotechniker oder - bei Hochschulzugangsberechtigung - ein Studium der Elektro-, Theater- oder Veranstaltungstechnik. J.S.

Quellen und weitere Informationen:
Deutsche Theatertechnische Gesellschaft (DTHG) e.V., http://www.dthg.de/service/berufe/dokumente/efvt.pdf.
Bundesagentur für Arbeit, BERUFEnet: http://berufenet.arbeitsamt.de/bnet2/F/kurz_B8353104.html.

Donnerstag, 06.12.2007

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