Kölner Philharmonie

Amsterdam Baroque Orchestra

Ton Koopman
Foto: Foppe Schut
Ton Koopman
Foto: Foppe Schut

Konzert - Johann Sebastian Bach

Ton Koopman, Dirigent



Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Ouvertüre Nr. 4 D-Dur BWV 1069
für drei Trompeten, Pauken, drei Oboen, Fagott, Streicher und Basso continuo

Vier Orchestersuiten von Johann Sebastian Bach sind überliefert (BWV 1066–1069). Jede von ihnen beginnt mit einer groß angelegten Ouvertüre, auf die eine Reihe von Tanzsätzen folgt. Da Bach den Werken selbst keine besonderen Titel gab, hat sich bis heute die einfache Bezeichnung „Ouvertüren“ eingebürgert – benannt nach dem jeweils eröffnenden Satz. Die vier Kompositionen sind unabhängig voneinander überliefert; sie bilden keinen Zyklus. Autographe Partituren liegen nicht vor, sondern lediglich Abschriften der Einzelstimmen. Die Forschung geht heute davon aus, dass die vierte Ouvertüre vermutlich schon um 1716 in
Weimar entstand – zunächst wohl ohne Trompeten. Zu Beginn der Köthener Zeit folgte um 1718 die dritte Suite in einer reinen Streicherfassung, und die beiden übrigen Suiten entstanden spätestens vor 1723. Diese frühen Versionen dürften bereits die Ouvertürenenthalten haben, jedoch noch nicht unbedingt alle später überlieferten Tanzsätze. Die Ouvertüre in C-Dur BWV 1069 gehört zu den repräsentativsten „Ouvertüren“ Bachs und steht innerhalb seines Schaffens für jene Mischung aus festlicher Pracht und kunstvoller Tanzmusik, die den höfischen Stil des Barock so eindrucksvoll verkörpert. Die vier Suiten entstanden über mehrere Jahre hinweg und dienten vor allem repräsentativen Anlässen: feierlichen Empfängen, höfischen Festen oder öffentlichen Konzerten. BWV 1069, die vierte Suite, ist dabei die strahlendste. Ihre Besetzung mit Trompeten, Pauken, Oboen, Fagott, Streichern und Continuo verleiht ihr eine Klangfülle, die unmittelbar an barocke Festkultur erinnert und zugleich Bachs souveränen Umgang mit französischen und deutschen Stilelementen zeigt. Im Zentrum des Werks steht die groß angelegte Ouvertüre, die dem französischen Modell folgt: ein majestätisch punktierter Eröffnungsteil, der Würde und Glanz ausstrahlt, gefolgt von einem lebhaften fugierten Abschnitt, in dem Bach seine kontrapunktische Meisterschaft demonstriert. Die Rückkehr des feierlichen Anfangs schafft eine klare architektonische Form und bereitet den Boden für die anschließenden Tanzsätze. Diese Tänze – Bourrée I und II,Gavotte, Menuett und die abschließende Réjouissance – entfalten ein breites Spektrum höfischer Charaktere. Die Bourrées verbinden Festlichkeit mit Eleganz, die Gavotte wirkt leichtfüßig und einladend, das Menuett bringt eine ruhigere, edle Note ein, bevor die Réjouissance das Werk mit lebhafter, fast überschäumender Freude beschließt. Trotz ihrer unterschiedlichen Stimmungen sind die Sätze durch Bachs präzise Handschrift eng miteinander verbunden: klare Linien, ausgewogene Proportionen und eine stets präsente tänzerische Energie. Die Ouvertüre BWV 1069 vereint somit Glanz und Kunstfertigkeit, Feierlichkeit und Leichtigkeit – und bleibt gerade deshalb eines der beliebtesten
Orchesterwerke des Barock.
(Spieldauer: ca. 20 Min.)

Brandenburgisches Konzert Nr. 3 G-Dur BWV 1048
für drei Violinen, drei Violen, drei Violoncelli und Basso continuo

Die Brandenburgische Konzerte sind eine Sammlung von sechs Konzerten, die Johann Sebastian Bach im März 1721 an den Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt sandte. Ihren Titel erhielten die Brandenburgische Konzerte im 19. Jahrhundert durch den Bach-Biographen Philipp Spitta. Bach selbst nannte sie „Six Concerts avec plusieurs instruments“ (Sechs Konzerte mit mehreren Instrumenten). In Besetzung, Umfang und Charakter weisen die Werke große Unterschiede auf. Das Brandenburgische Konzert Nr. 3 in G-Dur, BWV 1048 ist besetzt für drei Violinen, drei Bratschen, drei Violoncelli und Basso continuo – also ein reines Streicherensemble in der ungewöhnlichen „3×3“-Besetzung plus Continuo. Das Werk hat drei Sätze. Der erste Satz (Allegro) wirkt sehr lebendig und kraftvoll. Man hört sofort, wie die vielen Streicherstimmen miteinander ins Gespräch kommen. Oft spielen sie nacheinander ähnliche
kleine Motive, sodass ein Eindruck von Bewegung und Energie entsteht. Es gibt keine einzelnen Solisten, die besonders hervortreten, sondern alle Instrumente arbeiten gleichberechtigt zusammen. Der zweite Satz (Adagio) besteht in der überlieferten Partitur nur aus zwei Akkorden. Das wirkt zunächst überraschend kurz, war aber wahrscheinlich so gedacht, dass die Musiker an dieser Stelle etwas frei improvisieren konnten. Heute wird dieser Satz entweder sehr knapp gespielt oder durch eine kleine improvisierte Passage ergänzt. Der dritte Satz (Allegro) ist wieder schnell und voller Schwung. Er erinnert ein wenig an einen Tanz, weil die Musik sehr rhythmisch und mitreißend ist. Auch hier wechseln sich die Streichergruppen ab und werfen sich musikalische Ideen zu, was dem Satz eine fröhliche und bewegte Stimmung verleiht. Das Brandenburgische Konzert Nr. 3, BWV 1048, verbindet insgesamt eine ungewöhnliche Besetzung mit klarer barocker Form und lebendiger Motivarbeit und zeigt in konzentrierter Form, wie Bach aus wenigen Bausteinen ein spannungsvolles, zugleich streng gebautes und unmittelbar mitreißendes Konzert schafft.
(Spieldauer: ca. 10 Min.)

Ouvertüre Nr. 3 D-Dur BWV 1068
für drei Trompeten, Pauken, zwei Oboen, Fagott, Streicher und Basso continuo

Das Orchestersuite (Ouvertüre) Nr. 3 in D-Dur, BWV 1068 gehört zu den bekanntesten Orchesterwerken Johann Sebastian Bachs und entstand vermutlich in den späten 1710er- oder frühen 1720er-Jahren, wahrscheinlich während seiner Köthener Zeit oder kurz danach in Leipzig. Die Suite ist für Streicher, drei Trompeten, auken, zwei Oboen und Basso continuo geschrieben und besitzt dadurch einen festlichen, strahlenden Klang, der sie von den eher kammermusikalischen Brandenburgischen Konzerten unterscheidet. Der erste Satz (Ouvertüre) beginnt mit einem majestätischen, langsamen Abschnitt, der an höfische Pracht erinnert, gefolgt von einem schnellen, lebhaften Teil, in dem die Musik in Bewegung gerät und die Instrumente in einem tänzerischen Schwung miteinander verflochten sind. Der zweite Satz (Air) ist einer der berühmtesten Sätze Bachs überhaupt. Er wirkt ruhig, schwebend und sehr gesanglich. Die Melodie entfaltet sich weich über einem gleichmäßigen Begleitfluss der Streicher, wodurch eine fast zeitlose, friedliche Stimmung entsteht. Der dritte Satz (Gavotte I/II) bringt wieder mehr Energie ins Werk. Die Musik ist leichtfüßig und tänzerisch, mit klaren, eingängigen Rhythmen, die an höfische Tänze erinnern. Der vierte Satz (Bourrée) ist kurz, lebhaft und direkt, mit einem deutlichen Vorwärtsdrang. Der fünfte Satz (Gigue) schließlich bildet einen schwungvollen Abschluss. Er ist schnell, fröhlich und voller Bewegung, sodass die Suite mit einem kraftvollen, heiteren Eindruck endet.
(Spieldauer: ca. 21 Min.)

Brandenburgisches Konzert Nr. 4 G-Dur BWV 1049
für Violine solo (Violino principale), zwei Blockflöten (Fiauti d’Echo), zwei Violinen, Viola, Violone, Violoncello und Basso continuo

Das Brandenburgische Konzert Nr. 4 in G-Dur, BWV 1049 gehört zu den farbigsten und virtuosesten Stücken der gesamten Brandenburg-Sammlung. Es entstand vermutlich in Bachs Köthener Zeit, also um 1718 bis 1720, als er für ein Ensemble arbeitete, das besonders gut im kammermusikalischen Bereich aufgestellt war. Für dieses Konzert wählte Bach eine ungewöhnliche und klanglich sehr reizvolle Besetzung: eine solistisch geführte Violine, zwei Blockflöten sowie Streicher und Basso continuo. Diese Kombination verleiht dem Werk einen hellen, fast spielerischen Charakter, der sich deutlich von den anderen Konzerten abhebt.
Der erste Satz (Allegro) wirkt lebhaft und voller Bewegung. Die beiden Blockflöten und die Solovioline treten immer wieder in einen fröhlichen musikalischen Dialog, während die Streicher für den rhythmischen Antrieb sorgen. Die Musik wirkt leichtfüßig, fast tänzerisch, und man spürt, wie Bach die verschiedenen Klangfarben bewusst gegeneinander ausspielt. Der zweite Satz (Andante) ist deutlich ruhiger und wirkt wie ein inniger Austausch zwischen den Instrumenten. Die Solovioline übernimmt hier oft eine führende Rolle, während die Flötenund der sanfte Streicherklang eine warme, fast nachdenkliche Atmosphäre schaffen.
Der dritte Satz (Presto) schließlich bringt die volle Energie zurück. Er ist schnell, virtuos und voller Spielfreude. Besonders die Solovioline hat hier anspruchsvolle Passagen, die zeigen, wie brillant Bach für dieses Instrument schreiben konnte. Gleichzeitig bleiben die Blockflöten präsent und verleihen dem Satz eine helle, frische Farbe.
(Spieldauer: ca. 20 Min.)

Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 30.01.2026 21:01 Uhr     © 2026 | |