Staatenhaus am Rheinpark, Saal 1
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- Marta Torbidoni
Foto: Michele Monasta
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Marta Torbidoni
Foto: Michele Monasta
Konzertante Aufführung
Oper - Giuseppe Verdi
Dramma lirico in vier Teilen von Giuseppe Verdi (1813 - 1901)
Libretto von Francesco Maria Piave (1810 – 1876) nach der literarischen Vorlagen Hernani (1830) von Victor Hugo (1802 – 1885)
Uraufführung: 9. März 1844 im Teatro La Fenice, Venedig
Konzertante Aufführung
Dauer: 2,5 Stunden (inklusive Pause)
Musikalische Leitung: Giuliano Carella
Chorleitung: Rustam Samedov
Dramaturgie: Svenja Gottsmann
Chor der Oper Köln
Gürzenich-Orchester Köln
Personen:
Ernani, Rebellenanführer, aber eigentlich Herzog von Aragon: Tenor
Don Carlos, König von Spanien und später Kaiser Karl V.: Bariton
Don Ruy Gómez de Silva, spanischer Grande: Bass
Elvira, dessen Nichte: Sopran
Giovanna, Elviras Amme: Mezzosopran
Don Riccardo, Waffenträger des Königs: Tenor
Jago, Waffenträger des Don Ruy Gómez de Silvas: Bass
Zur Handlung:
Eine Frau (Elvira) und drei Männer, die sie begehren: Ernani, der zunächst als Bandit bzw. Rebell erscheint, aber tatsächlich der Herzog von Aragon ist; Don Carlos, der noch nur König von Spanien ist, aber im Laufe der Oper als Karl V. in Aachen zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt wird und der spanische Grande Don Ruy Gómez de Silva, Vormund und Verlobter von Elvira. Abgesehen von dieser misslichen Konstellation in Sachen Liebe geht es um Macht, Stolz und vor allem um Rache.
1. Akt „il bandito“ – „Der Rebell“
Auch wenn es anders klingen mag, besingen die Rebellen in den Bergen von Aragon im Eröffnungschor nicht wirklich das „lustige“ Räuberleben. Eher im Gegenteil besingen sie die Flucht in den Alkohol und ihre Gemeinschaft als ihren einzigen Trost. Auch Ernani, ihr Anführer, ist nicht wirklich glücklich, soll doch die von ihm geliebte Elvira am nächsten Tag ihren Vormund und Onkel de Silva heiraten. Das lässt seine Freunde nicht kalt und sie versprechen, mit ihm zusammen Elvira zu entführen. Szenenwechsel: In der Burg de Silvas ist auch Elvira alles andere als glücklich, da sie doch viel lieber mit Ernani zusammen fliehen möchte als de Silva zu heiraten. In diese Stimmung platzt nun ein neuer Verehrer: König Carlos. Auch von ihm fühlt sie sich eher belästigt als umworben und wehrt sich heftig gegen dessen Avancen. Das Ganze spitzt sich weiter zu, als Ernani erscheint und in König Carlos nicht nur den mächtigen Rivalen um die Gunst Elviras, sondern dazu noch den Mörder seines Vaters erkennt. Nicht genug damit, tritt nun auch noch de Silva auf, der „seine Verlobte“ mit zwei Rivalen im Ringen um deren Liebe in seinem eigenen Schloss entdeckt. Bevor sich alle aufeinander stürzen und sich selbst (Elvira) und gegenseitig umbringen, zieht sich Carlos zurück und beruhigt so zunächst die Lage.
2. Akt „L’ospite“ – „Der Gast“
Wir befinden uns immer noch im Palast von de Silva, in dem sich die Hofgesellschaft voller Vorfreude auf die Hochzeit de Silvas mit Elvira einstimmt. Ernani erscheint als Pilger verkleidet und bittet um „Gastfreundschaft!“, die ihm de Silva, wie es sich für einen wahren Adligen gehört, gewährt. Als Elvira im Hochzeitskleid die Szene betritt, fühlt sich Ernani von Elvira betrogen. Er gibt sich zu erkennen, bezichtigt Elvira der Treulosigkeit und verlangt vom Burgherrn de Silva, dem König, der mit seinen Soldaten vor dem Burgtor steht, ausgeliefert zu werden. Doch de Silva will ihn nicht ausliefern, da ihm als spanischem Edelmann die gewährte Gastfreundschaft heilig ist. (Und wenn sich einer an Ernani rächt, will er selber der Rächer sein.) Elvira kann Ernani überzeugen, dass sie nur ihn liebt und sich lieber selbst getötet hätte als de Silva zu heiraten. Ernani glaubt Elvira und ist somit wieder glücklich. Das reizt natürlich wiederum de Silva bis zur Weißglut, der am liebsten beide - aber vor allem Ernani - direkt töten möchte.
Da erscheint erneut König Carlos auf der Szene, der sogar bei de Silva flüchtige Rebellen vermutet, deren Gros er besiegt hat. Damit steckt de Silva in einem Loyalitätskonflikt zwischen der ihm heiligen Gastfreundschaft und der Treue zu seinem König. Nach einigem Hin und Her zwischen König und de Silva erscheint Elvira, bittet um Erbarmen für de Silva und bietet sich verzweifelt dem in sie verliebten Carlos als Geisel an. Carlos nimmt das Angebot an und zieht mit einer zutiefst betrübten Elvira weiter. Zurück bleiben Ernani und de Silva. Beide wollen nur Eines: sich rächen. Ernani an König Carlos, der seinen Vater ermordet hat und ihm nun seine Geliebte „entführt“. De Silva aus Eifersucht an König Carlos und an Ernani. Da im Moment aber nur Ernani greifbar ist, fordert de Silva ihn zum Duell, das Ernani aus Respekt vor dem Alter de Silvas verweigert. Wie so oft bringt der gemeinsame Gegner die Beiden zu einem Zweckbündnis gegen den König, aber nur unter der folgenschweren Bedingung, dass Ernani schwört, sich selbst zu töten, wenn de Silva in Ernanis Jagdhorn bläst.
3. Akt „La Clemenza“ - „Die Gnade“
Ganz großer Szenenwechsel, denn auf einmal spielt die Handlung nicht mehr in Spanien, sondern in der Krypta des Aachener Doms, in dem König Carlos zum Kaiser Karl V. des Heiligen Römischen Reiches gewählt werden soll. Carlos geht, während oben im Dom gewählt wird, jedoch erst einmal in die Krypta, um sich von der Aura des Grabmals Karls des Großen inspirieren zu lassen. Als er im Grabmal Karls des Großen verborgen ist, erscheinen die Verschwörer mit Ernani und de Silva an der Spitze. Da sie sich nicht einigen können, wer „die Ehre“ erhält König Carlos zu töten, entscheidet das Los, das auf Ernani fällt. Die Verschwörer feiern sich, Ihren Mut, ihre gegenseitige Treue und vor allem ihre anstehende Rache. Da verkünden drei Kanonenschüsse die Wahl von König Carlos zum Kaiser Karl V., der nun sein Versteck verlässt und die Verschwörer gefangen nehmen lässt. Carlos, von seiner Wahl berauscht und vom Genius Loci und der Fürsprache Elviras beeindruckt, begnadigt die Verschwörer und Rivalen. Ein versöhnliches Happy End könnte man meinen, das nur de Silva ungerächt zurücklässt. Doch es folgt noch ein vierter Akt.
4. Akt „La maschera“ – „Die Maske“
Und schon sind wir wieder zurück in Spanien. Ernani, inzwischen rehabilitiert, und Elvira freuen sich bei einem festlichen Ball in seinem Palast auf die bevorstehende Hochzeit. Nur ein schwarz gekleideter Gast trübt die Feierstimmung der Gesellschaft. Ernani und Elvira, nach dem Fest endlich allein, schwören sich ewige Liebe. Da hören sie (und wir) aus der Ferne Hörnerklang. Ernani weiß, was das bedeutet. Als Elvira sich bereits in das Brautgemach begeben hat, kommt de Silva, der schwarz gekleidete Gast. Er gibt sich Ernani zu erkennen und fordert ihn auf, sein Versprechen zu halten und sich zu töten (s. Ende des zweiten Akts). Ernani versucht noch einmal alles, ihn zu beschwichtigen, aber de Silva drängt Ernani, sein Wort ehrenhaft zu halten und sich selbst zu töten. Als dann Elvira hinzukommt, versucht auch sie mit (fast) allen Mitteln, de Silva zu beschwichtigen und Ernani von seinem Vorhaben, sich aus Ehre selbst zu töten, abzubringen. Als Ernani sich dennoch tötet, will ihm Elvira aus Liebe in den Tod folgen, wird aber von de Silva davon abgehalten. Ernani stirbt, Elvira wird ohnmächtig und der „Dämon der Rache“ jubelt in Person von de Silva und siegt über die Liebe.
Zum Werk:
Nach mehr oder weniger erfolgreichen frühen Opern Verdis führen seine im Jahresabstand uraufgeführten Opern Nabucco (1842), I Lombardi (1843) und last but not least Ernani (1844) zu Verdis Durchbruch zu einem erfolgreichen, „großen“ Opernkomponisten. Ernani war nach seiner Uraufführung am 9. März 1844 im Teatro La Fenice in Venedig ein so großer Publikumserfolg, dass schnell Premieren in Italien und den Metropolen Europas folgten und bereits 1847 die Premiere in New York erfolgte. Allerdings wurden damals oft nur die ersten drei Akte gespielt, vielleicht weil der Schluss des dritten Aktes sich bereits wie ein Opernfinale ausnimmt und ein „Happy End“ bietet; vielleicht weil der vierte Akt als Fremdkörper missverstanden wurde. Doch wie so oft in der Musikgeschichte verschwand auch Ernani nach den Erfolgen im 19. Jahrhundert zunächst wieder zeitweise von den Spielplänen und wurde erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts „wiederentdeckt“. Nicht zu Unrecht! Auch wenn die Handlung hier und da ein wenig holprig ist und unglaubwürdig erscheinen mag, überzeugt doch die Musik, denn Ernani gilt als die durchkomponierteste und dramatisch geschlossenste Oper dieser früheren Phase in Verdis Schaffen. In Ernani findet sich neben einigem noch eher dem Konventionellem verhafteten Vieles, was Verdi in seinen späteren Meisterwerken auszeichnet. So verwendet er bereits hier z.B. mit dem Ernani-Motiv charakterbezogene Leitmotive. Auch das Interesse für die tiefere psychologische Zeichnung der Figuren durch weniger virtuose als mehr dramatische Stimmführung ist bereits vorhanden. Vor allem aber die große Bedeutung der Chöre, der Ensembles und der hochdramatischen Finali in Verdis späteren Opern findet sich schon hier. So zeigt Ernani bereits die musikalischen Elemente, die Verdi später zu einem der wichtigsten Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts machen sollte. Das heute leider eher selten zu hörende Frühwerk Verdis erlebt nun in Köln - nach der Inszenierung des Nabucco in der vergangenen Spielzeit - als zweites Werk des Durchbruchs Verdis zum erfolgreichen Opernkomponisten eine konzertante Aufführung unter der Leitung von Giuliano Carella, der regelmäßig an den großen Opernhäusern wie z.B. der Wiener Staatsoper, der Bayerischen Staatsoper München und der Staatsoper Unter den Linden Berlin dirigiert, um nur einige zu nennen.
Zur „Inszenierung“:
Nach Les Pêcheurs de perles (Die Perlenfischer) von Georges Bizet in der Saison 2023/24 nun „schon“ wieder eine „nur“ konzertante Oper – nicht in der Kölner Philharmonie, sondern in der Kölner Oper? Natürlich erwartet man in einer Oper eine Inszenierung und man wäre neugierig und gespannt auf die Ideen der Inszenierung gewesen, aber die konzertante Aufführung ist wohl wieder der Hoffnung, der Planung und den Umständen geschuldet, die kommende Saison wieder in der Oper am Offenbachplatz beginnen zu können. Diesmal hoffentlich unter besseren Vorzeichen als 2024. Den Beschäftigten der Oper der Stadt Köln, die seit Jahren unverschuldet unter erschwerten Bedingungen arbeiten, kann man einen erfolgreichen Umzug nur wünschen!
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Rolf K. Otten
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